Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Beispielsweise die Geschichte mit den sieben Handgepäck-Stücken. Claudia Zaltenbach befand sich vergangenes Jahr auf dem Rückweg von Japan und Korea und hatte jede Menge Handgepäck. Gewürzpasten und asiatische Keramik („Ich bin ein Geschirr-Fanatiker.“) – eben lauter Dinge, die sie nicht in den Koffer packen wollte. Irgendwie kam Claudia Zaltenbach trotz des Übergepäcks an Bord damit durch. „Manchmal braucht man einfach ein bisschen Glück“, sagt sie lachend und serviert auf der asiatischen Keramik eine Hühnchenbrust mit Miso-Marinade.
Miso, die asiatische Gewürzpaste, steht bei der Wahl-Münchnerin gerade hoch im Kurs: „Es ist der pure Geschmack. Herzhaft. Einfach unglaublich.“
Zum ersten Mal ist Claudia Zaltenbach der Gewürzpaste bereits Mitte der 1980er-Jahre begegnet, in New York. In Deutschland war zu dieser Zeit Mascarpone aus Italien noch etwas Besonderes. Gut 30 Jahre später schwappt die Miso-Begeisterung auch nach Europa und findet hierzulande immer mehr Anhänger.
Claudia Zaltenbach war damals als Au-pair in New York und von der Vielfalt der Länderküchen begeistert. In New York lernte sie kochen – learning by doing. „Ich musste für eine Familie mit Tochter regelmäßig Mahlzeiten zubereiten.“ Sie hatte im Haushalt freie Hand bei der Auswahl der Zutaten. Einmal griff sie beim Kochen zu einer Flasche Wein. Es war ein Pomerol. Dass ein Pomerol ein ziemlich edler Wein aus dem Bordelais in Frankreich ist, hat sie erst viel später gelernt, aber schon damals gelernt, dass das Gericht umso besser wird, je besser die Zutaten, in diesem Fall der Wein, sind.
„Geboren, um zu reisen, zu schreiben, zu essen, beim Reisen zu essen, übers Essen zu schreiben.“ Deutschlands berühmtester Gastro-Kritiker Wolfram Siebeck hat sich einst selbst so beschrieben. Der Satz passt auch zu Claudia Zaltenbach. Mittlerweile arbeitet sie nicht nur als Ingenieurin für Bekleidungstechnik. Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht – zumindest zum Teil. Mit ihrem Blog „Dinner um acht“, einem Food- und Travelblog. Wann immer es ihre Zeit erlaubt, geht sie auf Reisen. Oder bekocht Freunde. Das habe sie schon zu ihrer Studentenzeit gerne gemacht.
Kulinarisch besonders spannend findet sie zurzeit „Japan, Peru und immer wieder die französische Küche“. Sie probiert alles, was ihr in die Finger kommt – „beim Kochen bin ich furchtlos“. In ihrem Gefrierschrank schlummern derzeit tiefgefrorene Ameisen aus dem Amazonas. Ein Mitbringsel von ihrer Südamerika-Reise. „Diese Ameisen schmecken nach Zitronengras und Kardamom.“
Claudia Zaltenbach ist immer auf der Suche nach neuen Geschmäckern. „Selten koche ich ein Gericht zweimal.“ Abends schmökert die Hobbyköchin gerne in einem ihrer zahlreichen Kochbücher. „Geistige Anregung und Nahrung.“
Einzige Ausnahme sind Familientraditionsgerichte wie zu Weihnachten der Rehrücken. Den kocht sie jedes Jahr wieder.
Man sieht Claudia Zaltenbach oft am frühen Samstagmorgen auf dem Münchner Viktualienmarkt. Das Angebot an den Ständen diktiert den Speiseplan fürs Wochenende. „Ich kann mir da schon ausmalen, wie meine Komposition schmecken wird.“
Zurück zum Miso: Wer es noch nicht gekostet hat, kann es sich wirklich nicht vorstellen. Doch es lohnt sich. Die Marinade mit Blutorangen ist moderne Cross-over-Küche, wie sie garantiert nicht nur Claudia Zaltenbach schmeckt.