In München-Schwabing gibt es noch eine richtige Gärtnerei. Eine grüne Oase zwischen Wohnblocks und der viel befahrenen Schleißheimer Straße. Hier wachsen Blumen und Kräuter, in den Gewächshäusern werden gerade die ersten Frühlingsblüher gezogen. Im kleinen Laden liegen Obst und Gemüse zum Verkauf, je nach Jahreszeit variiert das Angebot. Zurzeit sind es überwiegend Wintergemüse wie Karotten, Sellerie und Lauch. Sorten, die sich gut lagern lassen. Nur der Rosenkohl ist derzeit frisch geschnitten zu haben, ihm machen die eisigen Temperaturen draußen nicht zu schaffen.
„Früher gab es hier, im Münchner Norden, zahlreiche Gärtnereien“, erinnert sich Lisa Limmer. Sie ist an der Schleißheimer Straße aufgewachsen. Die Gärtnerei Stängle war ihr Elternhaus. „Wir belieferten die Tante-Emma-Läden im Viertel – damals existierten ja noch keine Supermärkte, die die Menschen mit Obst und Gemüse versorgten.“ Der Direktverkauf bei der Gärtnerei selbst ist erst Jahrzehnte später dazugekommen.
Lisa Limmer lebte da bereits in Pipinsried (Landkreis Dachau). Sie hatte in der Zwischenzeit Martin Limmer geheiratet. Auch er stammt aus einer alteingesessenen Gärtnerei. Gemeinsam baut das Paar nun im Dachauer Land Gemüse und Blumen an. Vermarktet werden die Sachen in Pipinsried selbst, in der Münchner Großmarkthalle und eben an der Schleißheimer Straße.
Für Lisa Limmer hat sich durch den Umzug aufs Land eigentlich nicht viel geändert – „ich war ja immer schon viel draußen“, sagt sie und fügt hinzu: „Dadurch, dass wir in München einen Garten hatten, war das keine große Umstellung.“
Mittlerweile unterscheidet sich die Arbeit auf dem Land von der Stadtgärtnerei jedoch etwas: „In München pflanzen wir noch alles von Hand, in Pipinsried haben wir dagegen mehr Platz, um auch mal Maschinen einsetzen zu können.“ Nicht zu vergessen die freie Sicht auf das Dachauer Land – „das ist schon ein anderer Ausblick als der Blick auf die Häuserschluchten in München“.
Dass Lisa Limmer vorwiegend mit eigenen Produkten kocht, versteht sich eigentlich von selbst. „Es gibt nichts Besseres und Günstigeres, als mit regionalen und saisonalen Produkten zu arbeiten.“ Eines ihrer Lieblingsessen ist der Pichelsteiner. „Er schmeckt gut und lässt sich hervorragend vorbereiten.“ Wichtig, wenn die Gärtnerin in München ist, dann können sich die Männer daheim das Essen aufwärmen.
Lisa Limmer ist ein bodenständiger Mensch, das schlägt sich auch in ihrer Küche nieder: „Ich koche am liebsten traditionell, mit dem, was die ERde hergibt.“ So wie den Pichelsteiner. Ein Eintopf, der fast in Vergessenheit geraten ist, wie sie feststellt.
Zum Pichelsteiner gibt es diesmal einen geraspelten Karottensalat mit Orangenfilets. Die verleihen dem Salat eine besondere, fruchtige Note – ganz wichtig: Ein wenig Fett dazugeben, sonst kann der Körper die Vitamine nicht aufnehmen, lautet der Tipp der Gärtnerin. Dafür eignet sich entweder ein gutes neutrales Öl oder auch Sahne. Mit Sahne schmeckt der Salat milder, mit Öl fruchtiger.
Am Nachmittag zum Kaffee serviert die Gärtnerin dann noch einen Karottenkuchen. Das Gemüse macht den Kuchen schön saftig. „So gestärkt kann uns der eisige Winter im Frühling nichts anhaben.“ Bestimmt.