Morgen ist Tag des Schlafes

Selig schlummern

von Redaktion

von Anja Reiter

-Warum verändert sich unser Schlaf im Alter?

„Die innere Uhr tickt im Alter einfach anders“, sagt Dr. Maximilian Bauer, Leiter des Schlaflabors der Asklepios-Lungenfachklinik in Gauting bei München. Im Alter verlagert sich der Schlaf auf natürliche Weise wieder in Richtung Tag – ähnlich wie bei Säuglingen. Mit dem Alter werden wir außerdem zu „Lerchen“, entwickeln also die Tendenz, schon frühmorgens aufzuwachen. Forscher erklären das mit der geringer werdenden Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. „Dass Menschen im Alter grundsätzlich weniger Schlaf brauchen, ist jedoch falsch“, sagt Experte Bauer. Der geringere Nachtschlaf werde im Alter stattdessen mit mehr Tagschlaf kompensiert.

-Warum fühle ich mich nach vielen Stunden im Bett immer noch schlapp?

Viele Senioren beklagen, dass Sie trotz vieler Stunden im Bett immer noch unausgeschlafen sind. Das hat einen Grund: Im Alter verändert sich nicht nur unser Schlafrhythmus, sondern auch die Qualität des Schlafs. „Die Tiefschlafphasen werden geringer“, erklärt Experte Bauer – „und damit die Schlafqualität schlechter.“ Weil der Tiefschlaf am erholsamsten ist, sorgt die Einbuße für eine verstärkte Müdigkeit. Unter Schlafforschern gibt es eine Henne-Ei-Diskussion um diese Frage: Altern wir, weil wir weniger Tiefschlaf haben? Oder ist die sinkende Tiefschlafdauer ein Zeichen für Alter? Klar ist: „Wenn wir unseren Schlaf verbessern, verbessern wir unsere Lebensqualität“, sagt Bauer.

-Konkret: Wie lässt sich der Schlaf im Alter verbessern?

Unruhig grübelnd wälzt man sich im Bett herum. Sich in solchen Situationen zum Einschlafen zu zwingen, das sei der falsche Weg, sagt Experte Bauer. So erhöhe man nur den inneren Druck und provoziere dadurch womöglich erst Schlafprobleme. Die bessere Alternative: „Gehen Sie erst zu Bett, wenn Sie wirklich müde sind“, empfiehlt Bauer. Wer den Tag körperlich und sozial aktiv gestalte, entwickle automatisch eine natürliche Müdigkeit. Ob leichte Gymnastik, ein Museumsbesuch oder Kartenspielen in der Kneipe: Lassen Sie tagsüber keine Langeweile aufkommen, sodass Sie sich nach dem Tag so richtig müde fühlen!

-Welche Medikamente und Hausmittel sind empfehlenswert?

„Das Gläschen Wein vor dem Zubettgehen ist ärztlich nicht zu empfehlen“, sagt Bauer. Zwar sei es durchaus eine Einschlafhilfe – erschwere allerdings das Durchschlafen. Auch medikamentöse Schlafmittel seien wegen ihres Suchtpotenzials problematisch. „Wer wegen körperlicher Schmerzen nicht gut durchschlafen kann, sollte besser zu einem Schmerzmittel greifen“, rät Bauer. Außerdem empfiehlt er pflanzliche Einschlafhilfen wie Baldrian oder Passionsblume. In einem Schlafseminar kann man zudem lernen, welche Rituale das Schlafen erleichtern. Ob Atemübungen, autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation: Zahlreiche sanfte Methoden versprechen hier Abhilfe.

-Wie sollte man das Schlafzimmer gestalten, um besonders ruhig zu schlafen?

Es sollte eine Ruhe-Oase und kein Ort zum Wälzen von Problemen sein“, sagt Experte Bauer. Helle und ruhige Farbtöne für Boden und Wände wirken schlaffördernd – während grelle Muster eher vom Schlaf ablenken. Überlegen Sie außerdem, ob Sie die alte Matratze gegen ein neues Modell, nach den speziellen Bedürfnissen von Senioren, austauschen wollen.

-Wann sollte man zum Arzt gehen?

Manchmal stellt sich keine Verbesserung des Schlafs ein, selbst wenn alle genannten Tipps beachtet werden. „Eventuell sind Ihre Schlafstörungen dann das Begleitsymptom einer Krankheit“, sagt Experte Bauer. Infrage kommt etwa das Syndrom der unruhigen Beine („Restless Legs“) oder Schlafapnoe, kurze Atemaussetzer während des Schlafs. Nächtlicher Harndrang, die häufigste Ursache für Schlafunterbrechungen, kann ebenso ein Alarmsignal für ernsthafte Erkrankungen wie Diabetes oder eine vergrößerte Prostata sein. Auch Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen gehen mit Schlafproblemen einher, genauso wie psychiatrische Leiden wie Depression, Demenz oder Parkinson. Eventuell überweist Ihr Hausarzt Sie in ein Schlaflabor, wo man Ihren Schlafproblemen gründlich nachgeht.

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