Sie sind klein. Sie sind zuckersüß. Sie haben einen unvergleichlichen Geschmack. Hans Jörg Bachmeier steht in seiner Küche im „Blauen Bock“ am Viktualienmarkt und kommt ins Schwärmen: „Die Marille ist der Inbegriff des Sommers.“
Der Küchenchef ist eigens nach Baumgarten in Österreich gefahren, um sie holen. „Da wachsen die besten Früchte“, ist er überzeugt. Tagsüber bekommen die Marillen viel Hitze ab, nachts ist es schön kühl. Die Freude an den Marillen währt allerdings nur kurz: Maximal noch zwei Wochen dauert die Saison, die heuer früher gestartet ist.
„Weil sie so schön klein sind, eignen sich die Früchte hervorragend für Marillenknödel.“ Michaela Micheu muss es wissen. Die Patissière vom „Blauen Bock“ stammt aus Österreich und ist mit den Marillen aufgewachsen.
Die gebürtige Österreicherin macht den Knödelteig aus mehligen Kartoffeln, die sie vorher im Ofen mitsamt der Schale gegart hat. „So behalten sie mehr Stärke. Das ist gut für den Teig.“
„Das habe ich jetzt auch noch nie gehört“, sagt Leserin Hildegard Böhm, die außerdem noch erfährt, dass man die Kartoffeln am besten noch heiß schält und durch die Kartoffelpresse drückt. Michaela Micheu vermeidet, mit zu viel Mehl zu arbeiten. „So schmecken die Knödel einfach besser.“ Marillen mit einem Stück Würfelzucker sind die klassische Füllung. Wer will, kann aber auch noch ein Stück Nugat oder Marzipan hineintun. Wichtig ist nur, dass der Knödel gut verschlossen und nicht rissig ist.
Marille süß kennt man. Dass sie auch pikant hervorragend mundet, zeigt anschließend Hans Jörg Bachmeier. Er hat sich einmal mehr eine außergewöhnliche Kombination einfallen lassen: Marillen mit Steinpilzen zur Kalbsleber. Wer Innereien nicht mag, greift alternativ zum Kalbsrücken.
„Das schmeckt ja irre gut“, freut sich Sabine Idzikowski. Das Beste daran ist, dass es auch noch schnell geht: Die Pilze werden nicht gewaschen, sondern mit einem Tuch fein abgerieben, die Marillen sind schnell klein geschnitten, die Kalbsleber angebraten.
Ein Essen ohne Schnickschnack, dafür mit Wow-Effekt. „So gut habe ich Marillen noch nie gegessen“, sagt schließlich Marlies Dollrieß. Dazu schmeckt ein „Berlucchi ‘61 Rosé“. Genau das Richtige für einen herrlichen Sommerabend.