Anja Auer hat schon als Kind die Grillzange in der Hand gehabt. „Das war bei uns ganz natürlich.“ Wenn der Vater grillte, half sie mit, genauso wie ihre Brüder. Später grillte sie alleine: „Das Hantieren mit der Glut hat für mich etwas Abenteuerliches.“
Für die gebürtige Oberpfälzerin ist eine „Frau am Grill“ etwas Selbstverständliches, auch wenn sie immer wieder hört, dass es halt doch noch etwas Besonderes ist. In der Regel legen nach wie vor die Männer das Fleisch auf die glühenden Kohlen. Eine Frau fällt in der Szene einfach noch auf. Auch im 21. Jahrhundert sind die Rollen am Feuer verteilt.
Seit kurzem steht die „Frau am Grill“ nicht nur ausschließlich für den Eigenbedarf an der Glut, jetzt gibt sie auch Grill-Tipps auf Youtube. „Noch aus reiner Freude“, wie sie sagt. An Geldverdienen sei damit noch nicht zu denken. Knapp 12 000 Abonnenten hat sie sich in den ersten acht Monaten diesen Jahres aufgebaut. Und so macht Anja jetzt genau das, was ihr gefällt. Ihr Geld verdient die Fitnesstrainerin mit Pilateskursen in Moosburg sowie in ihrem Heimatort in der Oberpfalz. Abends steht sie mit ihrem Freund Matthias Würfl am Grill.
„Wir grillen eigentlich fast jeden Tag“, sagt Anja Auer. Im Sommer bleibt die Küche in der Wohnung weitgehend unbenutzt. Die beiden sind große Outdoor-Cooking-Fans. Rund drei neue Tipps pro Woche stellt die 36-Jährige auf Youtube, gedreht von Matthias. Für das zehnminütige Video benötigen die beiden im Schnitt fünf bis sechs Stunden. „Man glaubt gar nicht, wie viel Arbeit dahintersteckt.“
Anja Auer gibt gerne Tipps weiter und tauscht sich mit anderen Grillern auf diversen Meisterschaften aus. „Einmal haben wir den letzten Platz belegt“, erzählt sie freimütig. „Das war aber gar nicht schlimm, weil wir ganz viel Wissen mit nach Hause genommen haben.“
Zuhause in Moosburg ist ein lang gezogener Balkon im ersten Stock eines Einfamilienhauses das Grill-Reich von Anja Auer. Hier stehen diverse Grills herum („unser Spleen“), immer griffbereit ein Feuerlöscher. „Sicher ist sicher bei einem Holzhaus.“
„Es gibt nichts, was ich nicht grille“, sagt die Frau am Grill. Doch am liebsten legt sie Fische auf die Kohlen. Die sie vorher selbst geangelt hat. Auch eine Leidenschaft von ihr: „Stundenlang am Wasser sitzen hat etwas Beruhigendes.“ Letztes Jahr, beim Urlaub am Hopfensee, habe sie „dauernd einen Biss gehabt“, erzählt sie stolz und sogar einmal einen dicken Hecht aus dem See gezogen.
Doch das Angeln sei nicht planbar. Manchmal komme es auch vor, dass man stundenlang am Gewässer sitzt, und kein Fisch beißt. „Dann muss man sich halt eine Alternative zum Grillen suchen.“
Der Fitnesstrainerin ist eine gesunde, ausgewogene Ernährung wichtig. Sie grillt Fisch und Fleisch. Bei letzterem darf man „ruhig auch mal das Fett sehen. Das ist viel besser als die ganzen versteckten Fette in der Nahrung, die man nicht sieht.“ Gewürzt wird mit Kräutern aus dem Garten. Mehr brauche es in der Regel nicht, Anja Auer will den Eigengeschmack von Fisch und Fleisch nicht überdecken.
So geht sie auch heute mit den Steckerlfischen vor. Eine spezielle Halterung hat sie dafür nicht. Anja Auer verwendet zum Aufspießen rechteckige Stecken (60 Zentimeter lang, 9 mal 9 Millimeter dick), „dann kann der Stecken nicht so leicht aus dem Grillgriff rutschen“. Geschickt spießt die Anglerin anschließend den Fisch übers Maul auf. Sie geht behutsam vor, damit der Stecken genau am Rückgrat entlang geführt wird. „Eine glitschige Angelegenheit“, sagt sie, doch das macht ihr nichts aus.
Für den Steckerlfisch heizt die Grillerin die Kohle an, keine Brickets („Das wäre Verschwendung.“). 45 Minuten später ist der Fisch fertig gegrillt. „Wenn das Fischauge weiß ist, ist der Fisch gar.“ Ein paar Brezen dazu.
Fertig ist die gegrillte bayerische Brotzeit. Genau das Richtige für heiße Tage wie diese.