Nervennahrung für kalte Tage

von Redaktion

Sie gehören mindestens genauso zur kalten Jahreszeit wie der obligatorische Besuch auf dem Christkindlmarkt: die Krautwickerl. Doris Berger (53) aus Starnberg zeigt uns ihre Rouladen-Variante – Wirsing mit einer Maronen-Kartoffel-Fülle. Das schmeckt garantiert an kalten Tagen.

VON STEPHANIE EBNER

„Kochen ist etwas Sinnliches. Es spricht alle Sinne gleichermaßen an.“ Doris Berger, 53, steht in der Küche und freut sich darauf, für die Großfamilie zu kochen. Gemeinsam essen hat auf dem Hof am Rande Starnbergs Tradition. Wer mittags da ist, kommt zum Essen. Da kommt es schon mal vor, dass der große Tisch im Esszimmer mit Blick über die Pferdekoppeln voll besetzt ist.

Eben hat Doris Berger den letzten Wirsing aus dem Garten geholt. „Der Wirsing wird unterschätzt“, sagt die Heilpraktikerin. Denn Wirsing sei richtig gesund: Mit seinem hohen Vitamin-C-Anteil fördert er die Infekt-Abwehr. „Darüber hinaus versorgt er uns mit einer beachtlichen Menge an Folium, Kalzium, Eisen und Folsäure. Ein richtiges heimisches Superfood“, sagt die 53-Jährige lachend.

Ein Wirsing-Klassiker sind die Kohlrouladen, die vor dem Wickeln kurz blanchiert werden. „Die Blätter sind dann besser formbar“, erklärt die Hobbyköchin, während sie vorsichtig die Blätter vom Wirsing-Kopf löst. Je dunkler, desto gesünder, das habe ihr schon die Großmutter beigebracht. Ganz wichtig: Die dicken Blattrippen vor dem Kochen herausschneiden – „sonst verbrennt man sich die Finger“.

Doris Berger kocht leidenschaftlich gerne vegetarisch. Aufgewachsen in Laim stand bei ihrer Familie schon vor Jahrzehnten nur sonntags Fleisch auf dem Speisezettel. „So versuche ich es eigentlich auch heute noch zu handhaben. Außer mein Mann legt Widerspruch ein“, sagt sie und wirft ihrem Mann ein inniges Lächeln zu. Im Fall der vegetarischen Wirsing-Rouladen könnte sich die Hobbyköchin etwas Kurzgebratenes vorstellen. „Ich mir auch“, sagt August Schäffler mit einem breiten Grinsen. Doch heute muss er darauf verzichten. Dafür steht später ein Kürbis-Muffin mit zwei verschiedenen Eis auf dem Speiseplan – „auch nicht schlecht“, meint Schäffler.

Nach der Schule lernte Doris Berger Arzthelferin, zog bereits mit 17 Jahren von zu Hause aus. Da war die logische Konsequenz, dass sie kochen musste. „Übung aus Notwendigkeit“, nennt sie es.

Doris Berger probiert alles aus, gerne ändert sie das Rezept ab und verändert es nach ihrem Geschmack. Kochen ist eben nicht nur sinnlich, sondern auch kreativ. Und meditativ. Besonders wenn man für die asiatischen Gerichte das Gemüse akkurat in gleich große Stücke schnippeln muss.

Ihren jetzigen Mann lernte Doris Berger beim Milchholen mit ihrem Sohn kennen. „Die Milch war meist auf dem Weg nach Hause zur Hälfte weg“, erinnert sich Doris Berger an das Kennenlernen. Kühe gibt es auf dem Hof längst keine mehr, mittlerweile grasen auf dem Schäfflerhof statt Kühen Pferde.

Und aus Doris Bergers Kleinfamilie mit einem Einzelkind ist eine Großfamilie mit mehreren Generationen geworden, die sich mittags zum Essen am großen Tisch trifft.

Außer Doris Berger packt das Fernweh. Dann zieht es sie bevorzugt nach Frankreich, ihre zweite Heimat, wie sie sagt. Wegen Land und Leuten und natürlich des Essens wegens. Nicht umsonst sagt man: „essen wie Gott in Frankreich“. Ein Satz, der auch zu Doris Bergers Küche gut passt.

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