Die Form des Magens ist ausgeklügelt: ein sackförmiges gebogenes Hohlorgan, direkt unter dem Zwerchfell. Die Flüssigkeit läuft an der oberen kleinen Krümmung entlang und gelangt ohne Umwege in den Darm. Feste Nahrung plumpst indes über die große Krümmung nach unten. Die Flüssigkeit befindet sich also auf der „Überholspur“: Getränke und leichte Suppen passieren den Magen in wenigen Minuten. Bei fester Nahrung dauert es länger, im Schnitt ein bis fünf Stunden; bei sehr fettreichem Essen sogar mehr als acht!
Übrigens: Vögel haben noch einen zusätzlichen Kaumagen. Darin befinden sich zum Teil „Reibplatten“, eine harte Schicht, die zur weiteren Zerkleinerung der Nahrung dient – Vögeln fehlen ja Zähne. Einen ähnlichen Effekt haben auch „Magensteine“. Dabei verschlucken die Tiere, wie Vögel und Krokodile, echte Steine, die beim Zerkleinern helfen. Diese Technik setzten auch schon manche Dinosaurier seinerzeit ein. Dabei hatten die Tiere offenbar Vorlieben, was die Größe, aber auch die Farbe besagter Steine angeht.
Aber zurück zum Menschen. Steine verschlucken wir ja nicht. Wir kauen – und lassen Enzyme arbeiten. So nimmt das „Pepsin“ eine erste Aufspaltung der Proteine vor; diese werden in kleinere Stücke zerlegt. Durch die Magenbewegungen, die wellenförmig verlaufen, wird der Mageninhalt durchgemischt. In speziellen Zellen werden zudem „Protonen“ abgegeben, die wiederum für den sauren pH-Wert verantwortlich sind. Die Magensäure tötet zum einen Bakterien ab, zum anderen unterstützt sie das Enzym „Magenlipase“, das für die Aufspaltung der Fette sorgt. Und: Der saure Magensaft stoppt auch die Kohlenhydratverdauung.
Nun wäre noch die klassische Frage zu beantworten, warum nach einer besonders fettreichen Mahlzeit – wie bei einem Käsefondue – ein Schnaps die Verdauung anregen soll. Vorweg: Es stimmt nicht! Das haben Schweizer Forscher herausgefunden. Dafür gaben sie 20 Testpersonen je 200 Gramm geschmolzenen Käse und je 100 Gramm Weißbrot. Ein Teil der Teilnehmer trank dazu ein Glas Weißwein, die anderen eine Tasse Schwarztee. Die Gruppe der Weintrinker bekam nach dem Essen ein Gläschen Schnaps, die anderen ein Wässerchen. Da die Moleküle im Käsefondue speziell markiert waren, konnte man in der Ausatemluft messen, wie schnell der Käse verdaut wurde. Das Ergebnis war überraschend: Bei den „Schnapstrinkern“ wurde der Käse deutlich langsamer verdaut. Wahrscheinlich war die Verdauung zusätzlich mit dem Alkohol beschäftigt.
Dennoch: Warum entsteht nach einem Stamperl dieses wohlige Gefühl? Und der „Ranzenspanner“ lässt nach? Dies geschieht wohl durch die Alkoholwirkung auf die Muskulatur des Magens – diese wird entspannt, damit wird auch das Völlegefühl kleiner. Diese Wirkung dürfte jedoch nur auf den eigenen Magen zutreffen – und nicht auf die Hühnermägen in unserem Rezept (siehe unten). Kurzum: Entweder Sie essen gleich etwas Magenverträgliches, wie unseren Fenchelsalat – oder Sie genießen nach dem Essen einen Tee oder Kaffee. Sie können auch einen Spaziergang machen. Oder, ganz besonders einfach, die Hose etwas lockern.
Nächste Folge
Leber & Galle: Wie wirkt sich die Gallenflüssigkeit auf Fette aus? (Erscheinungstag: 4. Juni)