Die Leber ist das Organ der Superlative: Sie ist das größte und wichtigste Stoffwechselorgan des menschlichen Körpers. Nicht nur, dass sie Nahrungsbestandteile verwertet und speichert – sie ist genauso am Abbau und der Ausscheidung von Giftstoffen beteiligt. Und: Da sie nun mal die Gallenflüssigkeit produziert, spielt sie eine entscheidende Rolle in der Verwertung und Aufspaltung von Fetten. Aber: Wie funktioniert das genau?
Hier die Antwort: In den Leberzellen entstehen Gallensalze. Zusammen mit dem Cholesterin, Ausscheidungsprodukten und Fremdstoffen bilden sie die Lebergalle. Diese ist dünnflüssig und gelblich, sie wird in kleinen Mengen in den Darm abgegeben. Verschließt sich aber der Ausgang des Hauptgallengangs, nämlich genau dort, wo er in den Darm mündet, so wird die Gallenflüssigkeit zurückgestaut – und landet in der Gallenblase. Hier wiederum wird sie gespeichert, bis sie gebraucht wird, und dabei bis zu einem Zehntel ihres Volumens eingedickt. Das ist letztlich wie bei einer guten Soße: schön einkochen lassen, bis man zu einem Maximum an Konzentration kommt.
Wird jetzt Galle im Darm benötigt, so „klopft“ etwa das Hormon „Cholezystokinin“ an – und die Gallenblase wird durch Muskelkontraktionen entleert. Aber: Warum ist jetzt die Gallenflüssigkeit für die Aufnahme von Fetten im Körper so wichtig? Die Fette haben ein großes Problem: Sie sind sehr schlecht wasserlöslich und somit ist ihre Aufnahme in den Körper erschwert. Durch die Gallensalze können die aufgespaltenen Fette – zusammen mit Cholesterin und fettlöslichen Vitaminen – zu kleinsten kugelförmigen Gebilden umgebaut werden. In dieser Struktur ist es nun möglich, dass die Fettbestandteile über die Darmwand aufgenommen werden. Die Gallensalze werden im Verlauf wieder abgespalten und gelangen zurück in die Leber. Sie sind quasi wie Busse einer Linie: Sie fahren stets die gleiche Strecke ab, wobei ihre Fahrgäste – also die Fette und das Cholesterin – immer nur den Bus in eine Richtung nehmen; nicht hin und zurück. Kommt es nun zu einem Ungleichgewicht aufgrund einer geringen Konzentration an Gallensalzen oder einem Zuviel an Cholesterin, können sich Kristalle und daraus wiederum Gallensteine bilden. Bildlich gesprochen kommt es zu einer Menschenansammlung, wenn entweder zu wenige Busse fahren oder zu viele Fahrgäste an der Haltestelle stehen. Das kann unangenehm werden – wenn die Leber geschädigt ist, kann sie nicht mehr ausreichend Fett speichern. Ergo: Eine fettarme Diät hilft, die Leber zu schonen.
Interessant ist aber auch das Konzept, Fett mit Fett zu bekämpfen. Stichwort „ketogene Diät“. Entscheidend ist dabei, die Zufuhr von Kohlenhydraten maximal zu reduzieren; die Ernährung wird fettreich. Da Kohlenhydrate aus Zucker aufgebaut sind und diese ja nicht mehr ausreichend zur Verfügung stehen, werden Fettreserven abgebaut. Ein häufiges Problem solcher Diäten: Die Zufuhr der Kohlenhydrate muss dauerhaft niedrig bleiben. Ansonsten gibt es einen „Jo-Jo-Effekt“. Und das hebt nicht gerade die Stimmung – man überlegt schnell, was einem über die Leber gelaufen ist.
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Pankreas, die Bauchspeicheldrüse: Was bewirken „Verdauungsenzyme“? (Erscheinungstag: 18. Juni)