Schluss mit sauer!

von Redaktion

Gesund genießen? Ja, das geht! Wie, das stellen wir Ihnen in zwölf Folgen vor. Unsere Serie „Medizin à la carte“ erscheint alle zwei Wochen auf dieser Seite – und sie vereint wissenschaftliche Fakten mit Rezepten für gesunde Ernährung. Heute Teil 7: Die Bauchspeicheldrüse und das Geheimnis der Verdauungsenzyme.

VON PROF. BEREND FEDDERSEN

Die Bauchspeicheldrüse, also der Pankreas, ist ein fleißiges und auch „schlaues“ Organ: Es produziert verschiedene Enzyme, um Fette, Proteine und Kohlenhydrate aufzuspalten. Glücklicherweise werden dabei Enzyme, die für die Proteinverdauung zuständig sind, erst mal in einer inaktiven Form hergestellt. Wäre dies nämlich nicht so, würde sich die Bauchspeicheldrüse selbst verdauen – wie schrecklich!

Zusätzlich wird die saure Flüssigkeit, die ja aus dem Magen kommt, neutralisiert. Jetzt ist quasi Schluss mit sauer! Neben den verdauungsfördernden Effekten, um unser Essen für die Aufnahme der kleinen Moleküle ins Blut vorzubereiten, werden verschiedene Hormone direkt an das Blut abgegeben. Das wohl bekannteste dürfte das Insulin sein, welches in den Beta-Zellen produziert wird.

Das Insulin hat zur Aufgabe, Zuckermoleküle in die Körperzellen aufzunehmen. Bei der Zuckerkrankheit „Diabetes mellitus Typ I“ kommt es durch eine Autoimmunerkrankung – häufig begünstigt durch eine Virusinfektion – zu einer Schädigung der Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse. So wird zu wenig Insulin ausgeschüttet, was wiederum zu erhöhten Blutzuckerwerten führt. Dies kann durch Insulin, das man spritzt, behandelt werden.

Anders dagegen ist es beim „Diabetes mellitus Typ II“. Durch eine Überernährung kann es hier zur Fettsucht kommen. Dadurch sprechen die Körperzellen nicht mehr so stark auf das Insulin an – der Zucker kann nicht mehr so gut aufgenommen werden. Die Folge: Es wird vermehrt Insulin gebildet, was jedoch dazu führt, dass die Zellen nicht mehr gut auf das Insulin reagieren – und der Blutzuckerspiegel ansteigt. Körperliche Aktivität ist dabei als Therapie besonders wichtig, da die Muskelzellen den Zucker dann ohne das Insulin direkt aufnehmen können. Eine Ernährungsumstellung mit einem möglichst geringen Anteil an Kohlenhydraten ebenso, zumal diese ja aus einzelnen Zuckermolekülen bestehen.

Die kohlenhydratarme Ernährung, auch bekannt als „Low Carb“ („low“ = wenig, „carb“ = Kohlenhydrate) erfreut sich auch ohne zu hohe Blutzuckerwerte großer Beliebtheit. Dabei geht es darum, den Kohlenhydratanteil zu reduzieren – nicht komplett zu verbannen. Wenn somit die Zufuhr an Energie in Form von Kohlenhydraten sinkt, muss sich der Körper eine andere Strategie überlegen – und wandelt die in Fett gespeicherten Reserven um. Der Effekt ist, dass wir abnehmen, weil wir Fett verbrennen. Insgesamt ist es hier aber wie bei allen anderen Diäten auch: Man muss weniger Energie aufnehmen, als der Körper verbraucht.

Der Trick ist, dass durch die Zufuhr von langkettigen Kohlenhydraten, wie sie etwa in Vollkornbrot vorkommen, der Körper länger damit beschäftigt ist, diese aufzuspalten. Das führt dazu, dass wir ein längeres Sättigungsgefühl haben – und nicht direkt wieder zu den nächsten Zuckermolekülen in Form eines Schokoriegels greifen. Hervorragend geeignet ist in diesem Sinne also natürlich die Artischocke, aber auch die köstliche Erbsencreme mit Kurkuma auf Sardinen-Schwarzbrot …

Nächste Folge

Dünndarm: Was genau passiert dort? (Erscheinungstag: 2. Juli)

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