Andere Länder, andere Küchen

von Redaktion

So einfach wie möglich soll es in der Küche zugehen, ist Tanja Dusy (55) überzeugt. Die Münchnerin liebt es, neue Rezepte zu entwickeln. Inspiration holt sie sich auf ihren Reisen. Diesmal geht es in den Orient.

VON ANGELIKA MAYR

Gerade mal vier Meter Schlauch, nennt Tanja Dusy ihre Küche. Ohne irgendein Chichi. Trotzdem sind hier viele Rezepte für ihre mittlerweile fast 50 Kochbücher entstanden. „Tja, ich bin wohl der beste Beweis dafür, dass man zum gut Kochen keine Luxusküche braucht“, sagt sie und lacht.

Ihre Öle reihen sich am Boden der Wand entlang, ihre Gewürze stehen auch in anderen Zimmern ihrer Altbauwohnung in München-Schwabing. Selbst für 30 Gäste hat sie hier schon gekocht. Alles kein Problem, „durch das ständige Hin- und Herlaufen bleibe ich fit“, sagt die 55-Jährige.

Am Herd denkt sich die leidenschaftliche Köchin in andere Länder, immer auf der Suche nach dem richtigen Geschmack. Zurzeit steht bei ihr das Orientalisch-Arabische hoch im Kurs: „Ich liebe diese Gastlichkeit.“ Dass viele Schalen auf dem Tisch stehen und jeder sich nehmen kann, was und wann er es will, empfindet sie als sehr angenehm.

Außerdem sei ein orientalischer Abend auch entspannter für den Koch: „Er kann alles vorbereiten und später die Zeit mit seinen Gästen voll genießen.“ Das kommt Tanja Dusy sehr entgegen – „ich mag es nicht, wenn einer immer in die Küche verschwinden muss“.

Auf ihren Reisen versucht die 55-Jährige fremde Küchen kennenzulernen. Bevorzugt bei Privatleuten. In Indien wurde sie zum Beispiel eingeladen, einer älteren Dame beim Kochen zuzuschauen. „Natürlich machte diese sofort den Schleier um, als ich zu ihr ins Haus kam“, erzählt Tanja Dusy. Denn Fremden dürfen Frauen auch daheim nicht anders gegenübertreten.

Gekocht wurde ein klassisches indisches Alltagsgericht: frisch gebackene Brotfladen mit gebratenem Kohl. „Die Dame hat sich dann tausendfach bei mir entschuldigt, weil das Essen so spartanisch war“, erinnert sich Tanja Dusy an die Begegnung. „Dabei war es großartig!“

Wieder daheim in Schwabing versucht die Rezept-Entwicklerin all die neuen kulinarischen Erfahrungen zu sammeln und nachzukochen. „Ich habe eine gute Geschmackssensorik“, sagt sie über sich. Aus den Originalrezepten schmecke sie ziemlich leicht die einzelnen Zutaten heraus, schreibt sie auf und versucht dann, ein Gericht für den deutschen Geschmack daraus zu kreieren.

Meistens klappt’s, manchmal aber scheitert auch sie trotz ihrer langjährigen Erfahrung. Einmal wollte sie nach einem Mexiko-Urlaub den Klassiker „Tacos al pastor“ nachkochen. Dabei wird in einer Marinade eingelegtes Schweinefleisch ähnlich wie bei einem Döner am Dreh-Spieß gegart. „Aber niemand hat ja hierzulande einen solchen Spieß daheim“, sagt Tanja Dusy. Also versuchte sie, das Fleisch im Ofen zu stapeln. Nach dem zweiten Versuch musste sie aufgeben, ihre beiden Testesser hatten abgewunken. das mexikanische Nationalgericht ist in deutschen Küchen nicht nachzukochen.

Ihr Mann sage seine Meinung zu ihren kulinarischen Versuchen immer sehr diplomatisch, ihre Tochter eher nicht. „Sie mag nicht alles.“ Das Kochen der Mama fasziniert die Sechsjährige trotzdem. In ihrer Kinderküche experimentiert auch sie schon mit unzähligen Gewürzen.

Ähnlich wie einst bei Tanja Dusy selbst: Eine Kochausbildung hat die begeisterte Köchin nämlich nicht. Weil aber ihre Mutter sehr gut kocht, konnte sie von ihr schon früh Tipps und Tricks übernehmen und weiterentwickeln. So sei ihre Lust, neue Länder kulinarisch zu entdecken, einst entstanden. „Zum Glück gibt es noch viele Landstriche zu entdecken.“

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