Kochen mit dem „Gold der Bauern“

von Redaktion

Der Olivenölsektor befindet sich da, wo der Wein vor fast 40 Jahren stand: am Anfang einer Qualitätsoffensive. Michaela Bogner aus München, zertifizierte Olivenölverkosterin, zeigt uns herrlich leichte Sommergerichte mit dem „Gold der Bauern“. Ein Genuss an heißen Tagen. Und gesund sind Brotsalat und Carpaccio auch noch.

VON STEPHANIE EBNER

Sie hat sich einst vom Duft verführen lassen. „Mein Bürofenster in Florenz ging auf einen Olivenhain.“ Gerade im Spätherbst, wenn die Oliven geerntet wurden, hing dann ein würziger Duft im Raum – „unglaublich gut, ich habe es genossen“. Im Herbst gab es unter den toskanischen Nachbarn dann auch nur ein Thema: „Wie ist das Olivenöl heuer geworden?“

Diesen herben Duft hat Michaela Bogner in der Nase behalten. Auch als sie 2005 zurück nach München kam. Doch bis sie ihre Arbeit ganz dem Olivenöl widmete, sollten noch ein paar Jahre ins Land gehen.

2010 gönnte sich die Münchnerin nach der Geburt ihrer beiden Kinder eine kurze Auszeit in Italien und besuchte Freunde von damals in Florenz. Es war die Zeit der Olivenernte. Im Nachhinein war es ihr Glück, dass es in jenen Tagen regnete und die Olivenernte deshalb still stand – der Olivenölproduzent Nico Sartori hatte so Zeit, ihr die hochmoderne Ölmühlentechnologie zu erklären, die damals in Italien ganz neu war.

Durch diese neue Technologie können Spitzenproduzenten heutzutage die Aromen unterschiedlicher Olivensorten ins Öl transportieren. Michaela Bogner kostete das Öl und war hin und weg. „Es war ein Wow-Erlebnis an Frische und Geschmack.“ Für die PR-Frau stand fest: „Diesem Produkt will ich helfen, bekannt zu werden.“ Die Leidenschaft für die Olive sollte zum Beruf werden.

Michaela Bogner absolvierte daraufhin eine Ausbildung zur Olivenölverkosterin an der Florentiner Industrie- und Handelskammer. „Ich habe wahnsinnig viel gelernt, unter anderem wie reines Olivenöl schmeckt und riecht.“ Denn eins ist klar: Olivenöl ist nicht gleich Olivenöl. Es gibt auch viele schwarze Schafe auf dem Markt. „Am Etikett erkennt man nicht die Qualität“ (siehe rechts).

Mit strahlenden Augen kann sie heute stundenlang vom Olivenöl reden. Sie lebt ihre Leidenschaft, trägt eine goldene Olive als Halsschmuck. Regelmäßig organisiert die Münchnerin Verkostungen und hält Veranstaltungen ab, importiert hochwertige Bio-Olivenöle aus Italien, die sie „SuperOlio“ nennt. Denn einen offiziellen Oberbegriff für diese hochwertigen Öle gibt es nicht.

Längst ist aus dem Jahrtausende alten Allheilmittel ein kulinarischer Hochgenuss geworden. „Der Verbrauch von Olivenöl steigt weltweit an“, sagt die Fachfrau. Die Produktion ist allein in den vergangenen zehn Jahren um 55 Prozent gestiegen.

In ihrer Zeit in der Toskana hat die Münchnerin einst auch mit dem Kochen begonnen. „Zwangsläufig“, wie sie lachend sagt, denn in der Toskana drehe sich ständig alles ums Thema Essen: „Das hat dort einen ganz anderen Stellenwert als bei uns.“

Die Toskana war die Initialzündung. Heute liebt Michaela Bogner die mediterrane Küche. Gerne bereitet sie Klassiker wie Panzanella und Carpaccio zu. Die schmecken gerade im Sommer himmlisch leicht. Manchmal darf er aber auch gerne mal ein alpenländisches Gericht sein, wie ein echtes Wiener Schnitzel. Das freilich schwimmt dann in reichlich Butterschmalz: „Da verbiege ich mich nicht.“

Ach ja, ein Hinweis darf nicht fehlen: Es sei ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man Olivenöl nicht zum Anbraten benutzen darf. Das Gegenteil ist der Fall. „Je höher die Polyphenolen im Öl, desto länger sind das Öl und auch das Kochgut selbst vor Oxidation geschützt“, erklärt Michaela Bogner. Doch Vorsicht: In raffiniertem Olivenöl sind so gut wie keine Polyphenole mehr enthalten.

Später, zu Tisch, geht es nur noch um den Geschmack: Allein ihr Brot mit einem Schüsselchen Olivenöl ist ein Gedicht. Da braucht es nicht mehr viel mehr und man fühlt sich wie im Urlaub in Italien. Beinahe kann man den Olivenhaine riechen.

Artikel 5 von 5