GLÜCKSFITNESS – DAS SCHÖNSTE GEFÜHL IM BESTEN ALTER

Rezeptfrei erhältlich: die soziale (Glücks-)Pille

von Redaktion

Wenn ich Sie fragen würde, welche gesundheitsfördernden Verhaltensweisen für ein langes Leben wichtig sind – welche würden Sie an erster Stelle nennen? Idealgewicht? Nicht rauchen? Regelmäßig Sport treiben?

Alles gut und richtig. Aber an die wichtigsten Faktoren denkt bei so einer Frage kaum jemand. Sie heißen „Unterstützung durch andere“ und „Eingebundensein in die Gemeinschaft“. Regelmäßig belegen diese beiden die Spitzenplätze in Studien, die sich auf die Suche nach dem Geheimrezept für ein langes, gesundes und glückliches Leben machen.

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Seit Urzeiten leben wir in Gruppen zusammen. Auch wenn Individualismus heute ein hochgeschätztes Gut ist, können wir doch unsere evolutionäre Prägung nicht einfach so abschütteln. Wir sind auf die Gemeinschaft mit anderen angewiesen. Soziale Einbindung ist gut für uns – Einsamkeit und das Gefühl des Ausgeschlossenseins erzeugen Stress. Kein Wunder, konnte doch Vereinzelung für unsere Vorfahren in der Urzeit lebensbedrohlich sein: In der Gruppe war man vor Gefahren aller Art besser geschützt – alleine leichte Beute für jeden Angreifer.

Fühlen wir uns einsam, schadet uns das physisch und psychisch gleichermaßen: Unser Körper schüttet dann Stresshormone aus, die auf Dauer zu gesundheitlichen Problemen führen können, wie Bluthochdruck, Magengeschwüren oder erhöhter Infektanfälligkeit. Gleichzeitig steigt unser Risiko, an einer Depression zu erkranken, deutlich an. Das Gefühl der Zugehörigkeit dagegen, das uns positive Gruppenaktivitäten schenken, schützt unseren Körper und unsere Seele gleichermaßen. Es macht uns belastbar und widerstandsfähiger gegenüber negativen Einflüssen aller Art – und glücklich.

Natürlich muss man sorgfältig unterscheiden zwischen selbst gewähltem Alleinsein und ungewollter Einsamkeit. Nur letztere ist schädlich für unser Glück und unsere Gesundheit – ersteres stellt dagegen oft eine wichtige Kraftquelle dar. Außerdem gibt es, abhängig vom Persönlichkeitstyp, individuell durchaus große Abweichungen bei der Frage, wie viele Sozialkontakte einem Menschen guttun. Jemand, der eher introvertiert veranlagt ist, kommt mit wenigen, aber engen Freunden wunderbar zurecht. Jemand, der extrovertiert ist, braucht zu seinem Glück ein viel größeres soziales Netz. Entscheidend ist aber in jedem Fall, dass wir uns als Teil einer uns persönlich wichtigen Gemeinschaft wahrnehmen, in der wir uns „zuhause“ fühlen. Die zu uns passt, mit der wir uns identifizieren können.

Eine solche Gruppe fördert unser Glück auf vielerlei Weise. Sie bietet emotionale Unterstützung, Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten und stiftet im Idealfall sogar noch einen Lebenssinn. Ob Chorsingen, Schachklub, ehrenamtliche Mitarbeit bei der Tafel oder sportliches Engagement im Verein – immer ziehen wir mit anderen gemeinsam an einem Strang, sind unter Gleichgesinnten und aktiv. Und auch in Zeiten von Krisen bietet uns eine solche Gruppe wichtige Unterstützung.

Machen Sie doch mal Inventur bei sich zum Thema Zugehörigkeitsgefühl! Passt da alles noch? Oder könnten Sie öfter mal eine „soziale Pille“ extra vertragen? Dann zögern Sie nicht, sich neuen Gruppen, die zu Ihnen und Ihren Interessen passen könnten, anzuschließen. Oder alte Kontakte, die Sie vernachlässigt haben, wieder aufleben zu lassen.

Vielleicht mal für den Anfang dieser Tage wieder ein Grillabend mit den netten Nachbarn?

VON FELICITAS HEYNE

Die renommierte Diplom-Psychologin und Buchautorin schreibt, warum es so wichtig ist, unsere zwischenmenschlichen Kontakte zu pflegen. Denn: Fühlen wir uns einsam, schadet uns das physisch wie psychisch.

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