DIE HAUSARZT-KOLUMNE – NEUES AUS DER PRAXIS

Das hilft bei Hitze

von Redaktion

Morgens um 7 schon 20 Grad, den ganzen Tag „klebt“ die Haut, am liebsten würde man sich alle Kleider vom Leib reißen, sich in eine dunkle Höhle verkriechen. Aktuell hat die Hitze Deutschland wieder fest im Griff. Wer nicht gerade im Schatten am See liegt und sich sein Eis schmecken lässt, der leidet unter den Temperaturen bis teilweise knapp 40 Grad.

Der Alltag wird extrem beschwerlich: Erschöpfungs- und Schwächegefühl, Konzentrationsstörungen und Kreislaufbeschwerden werden zum täglichen Begleiter. Noch belastender wird es, wenn es auch in den Nächten nicht mehr abkühlt; der Körper hat dann keine Chance mehr, sich zu erholen. Während Menschen im mittleren Lebensalter die hohen Temperaturen meist nur als belastend empfinden, kann es für Ältere und Menschen mit chronischen Erkrankungen zu ernsten gesundheitlichen Problemen, im schlimmsten Fall sogar bis zum Tod führen. Besonders betroffen sind Patienten mit Herz-Kreislauf- und Lungen-Erkrankungen – ein Temperaturanstieg von einem Tag auf den anderen um 5 Grad erhöht laut der Deutschen Hochdruckliga bei Menschen mit Bluthochdruck und Herz-Kreislauf- Erkrankungen das Herzinfarktrisiko um 60 Prozent.

Beachtet man aber einige Dinge, so kann man das Risiko ernster Schäden deutlich minimieren. Zuallererst: genügend trinken! Auch wenn es jeder weiß, machen es die wenigsten. „Herr Doktor, ich habe einfach keinen Durst“ – das ist, was ich meistens zu hören bekomme. Aber: Wenn die Flüssigkeit, die man durch Schwitzen über die Haut verliert, nicht ersetzt wird – ist, vereinfacht ausgedrückt, nicht mehr genug in den Gefäßen, um alle Organe zu versorgen. Kurzum: Stellen Sie sich morgens zwei Liter Flüssigkeit auf den Tisch, am Abend muss alles getrunken sein! Empfohlen werden Wasser und verdünnte Fruchtsäfte, nicht zu kalt, denn der Körper muss kalte Getränke nach dem Genuss auf Körpertemperatur aufwärmen. Das braucht Energie und produziert noch mehr Hitze. Bluthochdruck- Patienten sollten unbedingt auch täglich ihren Blutdruck messen. Durch die Wärme weiten sich die Gefäße und der Blutdruck fällt ab. Verstärkt wird dies durch Blutdruckmedikamente – etwa Diuretika (Wassertabletten). In Absprache mit dem Arzt muss unter Umständen die Dosis reduziert, bei fallenden Außentemperaturen meist aber auch wieder erhöht werden.

Vermeiden Sie körperliche Anstrengung, vor allem im Freien! Das Herz muss bei hohen Temperaturen deutlich mehr arbeiten, um den Körper adäquat zu versorgen. Für Patienten mit Herzschwäche kann dies gravierende Folgen haben! Aber auch Menschen mit Asthma und chronischer Bronchitis sollten intensive Anstrengung im Freien meiden. Grund sind hier die an heißen Tagen massiv erhöhten Ozonwerte. Dieses Molekül dringt aufgrund seiner guten Wasserlöslichkeit tief in die Atemwege ein und kann zu Reizungen mit einer Verschlechterung der Lungenfunktion, Atemnot und Asthmaanfällen führen.

Insgesamt werden gesundheitliche Probleme aufgrund extremer Wetterlagen in Zukunft sicherlich zunehmen und müssen vermehrt in die Behandlung unserer Patienten mit einbezogen werden.

VON DR. SEBASTIAN BRECHENMACHER

Der hausärztlich tätige Internist mit Praxis in Krailling (Kreis Starnberg) schreibt heute über richtige Verhaltensweisen, wenn es draußen richtig heiß wird.

Artikel 2 von 4