Ja, irgendwie habe sie die Kulinarik schon in die Wiege gelegt bekommen. „Aber ehrlich gesagt nicht vom Vater“, wie man beim Namen Witzigmann schnell vermuten könnte, schmunzelt Tochter Veronique. Der Jahrhundertkoch hatte nicht so viel Zeit, mit der Tochter gemeinsam in der Küche zu stehen – es galt damals schließlich, drei Michelin-Sterne zu verteidigen.
Diese Aufgabe übernahmen andere: Die Liebe zum Backen haben ihr die Großmutter und die Großtante vermittelt. „Die beiden Österreicherinnen haben immer viel gebacken“, erzählt Veronique Witzigmann und „ich mittendrin. Da durfte ich mitpanschen. Und wenn es nur darum ging, die Schüssel auszuschlecken.“
Süße Sachen – die sind heute ihr Lebensinhalt. In ihrer Versuchsbackstube in Unterschleißheim bei München denkt sich die 49-Jährige ständig neue Kombinationen aus, mal für ihr süßes Catering, mal für einen Backworkshop oder eben jüngst für ihr neues Buch „Minikuchen: kleine Portionen – maximaler Genuss“.
Mit dem Titel reagiert die Fachfrau für Süßes auf den aktuellen Trend: „Kaum jemand möchte heutzutage noch riesige Tortenstücke auf dem Teller liegen haben.“ Deshalb zeigt uns Veronique Witzigmann heute, wie sich eine schnelle Biskuitrolle geschickt in Szene setzen lässt. Stichwort: Backen im Pocket-Format.
Kleiner Aufwand, große Wirkung, verspricht sie: In der Tat, knapp eine Stunde braucht Veronique Witzigmann, bis das Törtlein fertig ist . Abgesehen von den Kühlzeiten geht das wirklich flink. Wirklich kein Hexenwerk. Genau so, wie sie versprochen hat.
Die Tochter des Sterne-Kochs hat schon immer gerne gebacken. Ihr erster Ofen ist stummer Zeuge und steht im Küchenregal: Eigentlich ein Puppenofen, der sich aber aufheizen lässt. „Ich habe darin meinen ersten Käsekuchen gemacht.“ Der habe super funktioniert. Dass die Power der Herdplatten bei den deftigen Gerichten versagt hat, war wohl Omen für Veronique Witzigmanns späteren Lebensweg, sich auf die süßen Momente des Lebens zu konzentrieren: „Ich wollte auf meinem Puppenherd ein Schnitzel braten. Dafür hatte ich mir auch eigens ein schönes Stück Fleisch beim Metzger in der Clemensstraße in Schwabing besorgt.“ Doch das Fleischstück wollte wegen der geringen Hitze nicht durch werden, am Schluss war es zäh wie eine Schuhsohle.
Die Affinität zum Kochen und Backen blieb dennoch. Auf die süßen Momente des Lebens konzentrierte sich Veronique Witzigmann jedoch erst viele Jahre später. Als alleinerziehende Mutter zweier Töchter musste sie sich eine neue Einkommensquelle aufbauen. Mit Marmeladen startete sie durch: 2005 gründete sie ihr Label für Feinkostprodukte mit der Herstellung von Fruchtaufstrichen und Chutneys. Seitdem erweitert sie ihr Geschäftsfeld stetig. Heute kann sie stolz von sich sagen, dass sie ihren eigenen Weg gefunden hat.
Genuss hat für die Witzigmanns Tradition, nicht erst seit Eckart Witzigmann die deutsche Küche revolutioniert hat: „Unsere Familie hat ein Lieblingsrezept, einen ganz einfachen Gugelhupf.“ Veronique Witzigmann erzählt: „Wenn es den gibt, habe ich jedes Mal das Gefühl, meine Großmutter muss gleich um die Ecke kommen.“ Den Gugelhupf hat es früher zum Kaffee gegeben.
Backen ist für Veronique Witzigmann eine tolle Beschäftigung. „Ich finde es jedes Mal faszinierend, was man für unterschiedliche Dinge aus den Grundzutaten Eier, Butter, Mehl und Zucker zubereiten kann.“
Zugleich sei Backen auch eine schöne Art, Zuneigung zu zeigen: „Ich kenne niemanden, der sich nicht über etwas Selbstgebackenes freut.“ Wenn das Back-Ergebnis dann auch noch so toll aussieht und schmeckt, umso besser.