Die Küche ist ihr Ort. Hier wird konzentriert gearbeitet, gelacht, erzählt und auch mal ein Glas Wein getrunken. Zusammen kochen, das ist die Passion von Georg Zellner und seinem Sohn Tjad Zeiler. So auch heute.
Im vergangenen Jahr hatten die beiden viel Zeit dazu, weil Corona ihr Leben auf den Kopf gestellt hat. Komplett. Georg Zellner hat die Krankheit „mit vollem Karacho erwischt und niedergestreckt“, wochenlang lag er im Krankenhaus. „Noch heute bin ich nicht ganz fit“, sagt er. Seiner großen Leidenschaft, die Jagd, kann er bis heute nicht nachgehen.
Aber Georg Zellner ist kein Mensch, der sich mit Jammern aufhält. Wann immer es möglich ist, genießt er das Leben. So auch heute beim gemeinsamen Kochen – „unsere Kochabende waren in den vergangenen Monaten unser Highlight“. Der Rehrücken, der auf dem Küchenbrett liegt, ist ein Genesungsgeschenk von einer befreundeten Jägerin, erzählt Georg Zellner. „Hoffentlich kann ich selbst bald wieder raus in den Wald.“
Die Jagd, das ist seine Passion. Seit er elf Jahre alt ist. „Ich war zusammen mit meinen Onkels unterwegs und irgendwann hat mich diese Leidenschaft gepackt und nicht mehr losgelassen.“
Georg Zellner ist für das Fleisch zuständig. Nicht nur heute. „Er macht die weltbeste Bolognese“, schwärmt sein Sohn. „Ein Stückerl Leber“ sei die Geheim-Zutat, verrät der leidenschaftliche Hobbykoch.
Dass Tjad Zeiler heute Fleisch liebt, ist das Verdienst von Georg Zellner. „Ich war 14 Jahre Vegetarier, bis ich mich von Georg überzeugen hab lassen, dass ich etwas verpasse, wenn ich nur vegetarisch esse.“ Selbstgejagt oder Fleisch aus tiergerechter Haltung, das versteht sich für die beiden eh von selbst.
Auch bei Tjad Zeiler hat Corona Spuren hinterlassen. Bei ihm vor allem beruflich – als Angestellter in der Gastronomie war der 28-Jährige monatelang ohne Arbeit. Er hat seine Ausbildung als Hotelfachmann in der Überfahrt am Tegernsee gemacht, anschließend im Hangar 7 in Salzburg gearbeitet, bevor er an den Tegernsee zurückkehrte.
In den siebeneinhalb Monaten, in denen die Gastronomie pandemiebedingt geschlossen hatte, orientierte sich der junge Mann um und arbeitet seitdem bei einem Großhändler – „jetzt habe ich geregelte Arbeitszeiten und mehr Zeit zum Kochen“. Weil Tjad Zeiler in Zeiten von Corona das Reisen vermisst, holt er sich in diesen Tagen die große weite Welt nach Hause: Das heimische Wild mariniert er mit asiatischen Gewürzen – „ich liebe das Spiel mit den Aromen“. Und ganz nebenbei stillt er so sein Fernweh.
Während die beiden Männer am Herd werkeln, sucht Marietta Stegbuchner (31), die Lebensgefährtin von Tjad Zeiler, das passende Getränk aus. Auch sie ist vom Fach und hat zuletzt in Christian Jürgens Drei-Sterne-Restaurant in der Überfahrt als Chef-Sommelière gearbeitet. Wein und Champagner sind ihre Leidenschaft. Die junge Frau strahlt, wenn sie sagt: „Champagner macht auch Spaß zum ganzen Essen.“ Der Trend gehe weg vom „ständigen Wechsel der Begleitgetränke“, fügt sie an. Sie muss es wissen, „Der Feinschmecker“ zeichnete sie als eine der zwölf besten Sommeliers Deutschlands aus. Auch sie denkt derzeit über einen beruflichen Wechsel nach.
Doch bis es so weit ist, trifft sich die Familie regelmäßig zum gemeinsamen Kochen und Essen. Für alle ein großer Genuss.