So kocht die Landjugend

von Redaktion

VON STEPHANIE EBNER

Seppi sitzt an den Küchenschrank gelehnt und scheint genüsslich das Geschehen drumherum zu beobachten. Drei Jungbauern hantieren mit Messern und Schüsseln. Therese Stuhlmiller, Andreas Lallinger und Johannes Groß kochen ein Drei-Gang-Menü. Ausschließlich mit Zutaten aus der Region und die in die Jahreszeit passen.

Therese Stuhlmiller, Andreas Lallinger und Andreas Groß sind drei von insgesamt 2000 jungen Menschen, die sich zur Jungbauernschaft in Bayern zusammengeschlossen haben, jeder Regierungsbezirk hat eine eigene Gruppe, unterteilt in zahlreiche Ortsgruppen. Weil Corona den Austausch untereinander schier unmöglich gemacht hat, hat die Vorstandschaft ein weißes Schaf aus Plüsch durch ganz Bayern geschickt: Seppi. „Das Maskottchen der bayerischen Jungbauernschaft hat wahrscheinlich mehr gesehen als die meisten von uns“, sagt Johannes Groß.

Jetzt sitzt Seppi frisch gewaschen und in eine Mini-Lederhose gepackt auf der Arbeitsfläche und hört allem Anschein nach aufmerksam zu. Bei den Gesprächen geht es um Lebensmittel. Dass man sie regional und saisonal kaufen sollte, wissen mittlerweile die meisten. Oft gibt es im Supermarkt-Regal aber Fallstricke. Beispielsweise derzeit bei den Kartoffeln. Obwohl diese sich hervorragend zum Lagern eignen, findet man in den Supermärkten derzeit fast ausschließlich Ware aus Ägypten. „Das muss doch nicht sein“, sagt Agrar-Referentin Dagmar Wagner (51) und rät: „Immer genau schauen, woher die Lebensmittel kommen.“

In den bayerischen Höfen wächst eine neue Generation von Lebensmittel-Produzenten heran. Die Bauern von morgen sind mit Überzeugung und Leidenschaft dabei, haben eine sehr gute Ausbildung und sind meist extrem Technik-affin. „In den vergangenen 30 Jahren hat sich viel auf den Höfen getan“, sagt Dagmar Wagner.

Die drei kochen heute stellvertretend für die Jungbauernschaft, die es seit den 1950er-Jahren gibt. Johannes Groß aus Bergkirchen bei Dachau ist seit Herbst 2021 Bezirksvorsitzender. Eigentlich wollte der 28-Jährige Koch werden, weil „mir das Thema Hauswirtschaft in der Schule großen Spaß gemacht hat“. Letztendlich entschied sich der Bergkirchener dann doch, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Seit 1640 gibt es den Betrieb, Johannes Groß führt ihn mittlerweile in der 7. Generation unter diesem Namen. „Eine Tradition, auf die ich stolz bin.“ Zu seiner Ausbildung gehörte auch ein Auslandsaufenthalt auf einem Betrieb in Dakota (USA). Da habe er viel gelernt, sagt er rückblickend.

Heute kocht der Landwirtschaftsmeister nur noch hobbymäßig. Eine Kombination, die ihn reizt: Der Milchvieh-Bauer weiß genau, woher die Lebensmittel kommen, die er am Herd später verarbeitet. „Ich habe von klein auf mitbekommen, wie Lebensmittel hergestellt werden.“

Auch Andreas Lallinger engagiert sich bei der Jungbauernschaft. Für den 24-Jährigen war nicht immer klar, dass er in die Landwirtschaft einsteigen würde – obwohl beide Eltern jeweils einen eigenen Hof führen. „Ich habe mich nach der Schule dann aber doch für den Beruf des Landwirts entschieden. Weil er so vielfältig ist.“

Theresa Stuhlmiller (24) stammt aus einem Bioland-Schweine- und Hühnerbetrieb. Sie lernte Hauswirtschaft („eine richtige Schule fürs Leben“), heute studiert sie Grundschullehramt und hilft in den Ferien oder am Wochenende entweder im elterlichen Betrieb oder auf dem Hof ihres Freundes in Landsberid (Landkreis Fürstenfeldbruck) mit.

Und kocht mit großer Leidenschaft: Routiniert hobelt sie die Spätzle ins heiße Wasser. Ihr Tipp: Im Winter arbeitet man am besten mit Spinat, aber sobald es im Frühjahr warm wird, sammelt sie Bärlauch für ihre grünen Spätzle. Nur einer hat nichts davon: Seppi, das Maskottchen geht an diesem Abend leer aus.

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