Großer Auftritt für den Kohlrabi

von Redaktion

VON STEPHANIE EBNER

Die nächsten Tage versprechen hochsommerliche Temperaturen. Ideal, um den Grill anzuwerfen. „Ich grille sehr gerne“, sagt Sebastian Copien und fügt hinzu: „Grillen ist für mich emotionales Kopfkino.“ An Fleisch und Fisch denkt der 41-Jährige dabei nicht. Copien ernährt sich ausschließlich vegan.

Heute bearbeitet er einen Kohlrabi und schneidet ihn in gleichmäßige Scheiben. „Ein weithin unterschätztes Gemüse, das sich auch gut zum Grillen eignet“, wie Copien sagt. Er ist überzeugt: „Wenn Gemüse nicht schmeckt, liegt es meist nicht am Gemüse selbst.“ Der Trick beim Kohlrabi: erst die Oberfläche einritzen, dann marinieren.

Vor sieben Jahren hat er die vegane Küche für sich entdeckt, davor warv der Profikoch und Bestseller-Autor Vegetarier. Seine Ernährung umzustellen, war für ihn irgendwann eine „logische Konsequenz“, kein Verzicht.

Wenn man tierische Produkte aus dem Speiseplan streicht, dann scheint für manche Menschen nicht mehr viel übrig zu bleiben, sagt Copien. Schließlich gehören Fleisch, Käse und alle anderen tierischen Lebensmittel in den Augen vieler zu einer normalen Ernährung. Copien ist aber überzeugt: „Wenn man die Vorurteile außen vor lässt, wird man schnell merken, dass man auf Anhieb eine ganze Reihe an schmackhaften Speisen nennen kann, die ohnehin bereits rein pflanzlich sind oder sehr leicht veganisiert werden können.“

Sebastian Copien ist ein Genussmensch. Daheim in München genauso wie im Urlaub. In der Fremde genießt er es, neue Geschmäcker zu entdecken. Klar, wer vegan lebt, hat „nicht die Freiheit, überall ins nächste Lokal gehen zu können, will er sich nicht mit Beilagen abspeisen lassen“. Deshalb sagt Copien: „Wer sich informiert, weiß, wo er zum Essen gehen kann.“ In Destinationen wie New York, Sri Lanka oder Indien werde es für Veganer nie langweilig. Auch Italien sei mit seiner Pizza oder Pasta ein ideales Reiseland – vorausgesetzt, man vergisst nicht, den Käse auf der Pizza oder den Nudeln vorher abzubestellen.

Vegan essen ist für Copien „ein Abenteuer“, es gibt ungeheuer viel zu entdecken. „Für mich hat es meinen kulinarischen Horizont erweitert“, sagt er und ganz nebenbei fügt er hinzu: „Meine Blutwerte haben sich in den letzten Jahren auch verbessert.“ Sein Wissen gibt er in Büchern und in seiner Kochschule weiter (www.vegan-masterclass.de). Nicht-Veganer könnten sich oft nicht vorstellen, „wie super man sich auch ohne tierische Produkte ernähren kann und dass es einem wirklich an nichts fehlt“.

Zum Beweis hat sich Copien das Kohlrabi-Gericht ausgedacht, das man genauso gut mit einem Kräuter-Seitling zubereiten könne. Wer das probiert, braucht keinen Fetzen Fleisch mehr auf der Holzkohle. Es hat ganz viel Umami, neben bitter, süß, salzig und sauer die fünfte Geschmacksrichtung. Der Geschmack von Umami wird als köstlich und würzig umschrieben.

Als Sebastian Copien seine Ernährung umstellte, waren Veganer noch Exoten, mittlerweile sei diese Ernährungsform schon gar nichts Extravagantes mehr. In den Supermärkten liegt die klassische Butter neben der veganen Variante. „Es gibt so viele Produkte, dass es für viele, die ihre Ernährung umstellen, gar nicht so leicht ist, sich im Produkt–Dschungel zurechtzufinden.“ Für die hat er jetzt zusammen mit Niko Rittenau das Buch „Vegan-Klischee ade!“ geschrieben (siehe Kasten rechts).

Denn Geschmack und Genuss stehen für den Veganer im Vordergrund: Der Umami-Kohlrabi gehört garantiert dazu, auch nicht Veganer zu überzeugen.

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