Köstliche Resteverwertung

von Redaktion

VON STEPHANIE EBNER

„Zu gut für die Tonne.“ Diesen Satz sagt Anna Maria Zöbele immer wieder. Sie steht in ihrer riesigen Küche im Landkreis Weilheim-Schongau und sieht sich voll Besitzerstolz um. „Das ist das Herzstück unserer Wohnung.“ Viel Platz zum Arbeiten, Kochen, Leben.

Neu hätte eine Küche dieses Ausmaßes sicher viel Geld gekostet. Zu viel für ein junges Paar. Doch Anna Maria und ihr Mann Benedikt haben aus den ausrangierten Küchenmöbeln der Eltern und eines Onkels eine neue Küche gestaltet – „zum Glück hat es sich um dasselbe Modell gehandelt“, lacht die Hauswirtschaftsmeisterin. „So hat alles gut zusammengepasst.“ Einziger Luxus, den sich Anna Maria Zöbele geleistet hat: Die Arbeitsfläche ist aus einer wunderschönen Steinplatte. „Die wollte ich unbedingt haben.“

Zu gut für die Tonne – das passt auch zum Kochstil von Anna Maria Zöbele. „Weggeschmissen wird nichts.“ Und das nicht erst, seit „No Waste“ in Mode gekommen ist. Sie hat das nachhaltige Wirtschaften schon daheim auf dem elterlichen Hof gelernt und später in der Ausbildung perfektioniert.

Außerdem wäre es viel zu schade, die Fleischreste in der Tonne zu entsorgen. Der Tafelspitz beispielsweise stammt von Tieren, die sie selbst aufgezogen haben. Nur die fetten Stücke werden entsorgt, der Rest wird in kleine Streifen geschnitten und mit Gemüse vermischt. Für den Rindfleischsalat gibt es kein fixes Rezept, es variiert je nach Jahreszeit. Weil jetzt eben keine Saison für Paprika ist, mischt Anna Maria Zöbele Karotten unter die Fleischstreifen. Am besten schmeckt der Salat, wenn er gut durchgezogen ist – „vorher nochmals abschmecken“, lautet der Tipp von Anna Maria Zöbele.

Eigentlich liebt Anna Maria Zöbele das Brotbacken. „Ich habe nur leider nicht so viel Zeit dafür“, sagt sie. Als Teamleiterin sei sie im Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching zeitlich zu sehr gebunden. „Irgendwann fange ich damit aber noch an“, ist sich die 26-Jährige sicher. Bis dahin bäckt die junge Frau nur mal hin und wieder – beispielsweise wenn am Vortag Kartoffeln übrig geblieben sind. Denn die eignen sich hervorragend für ein Brotgebäck. „Man muss die gekochten Knollen nur vorher gut vermanschen.“ Noch schneller und einfacher geht das Resterezept, wenn man übrig gebliebenes Püree verwendet.

Während sie sich beim Brotrezept selbst an die Angaben hält – „sonst wird das Brot nichts“ – habe man beim Würzen freie Hand: „Ob mit Kümmel, Anis oder mit Kräutern verfeinert, hängt sehr vom eigenen Geschmack ab.“ Gleiches gilt auch für die Beigabe von Nüssen und Körnern. Erlaubt ist, was schmeckt. Und vor allem, welche Nusstüte oder welches Gewürz gerade offen ist.

Zu gut für die Tonne heißt es auch bei den Milchprodukten: Das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum ist für Anna Maria Zöbele dabei eher nebensächlich. „Nur wenn das Produkt schimmelt oder vergoren schmeckt, wandert es in die Tonne.“ Ansonsten zaubert Anna Maria Zöbele daraus gerne eine Nachspeise. Sie nennt sie schlicht „Was-du-da-hast-Dessert“. Auch hier gilt: Verarbeitet wird, was gerade da ist. Ein Rezept, das immer schmeckt und auch noch nachhaltig ist. Bei den Zöbeles landet damit höchst selten ein Lebensmittel im Müll.

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