MEIN KÜCHENGEHEIMNIS

Kochen macht unglaublich stolz

von Redaktion

Griechische Küche: gedämpft und gebraten.

Richtiges Abschmecken gehört mit zum Kochen.

Weinblätter und Zucchiniblüten haben jetzt Saison.

Auch das Falten von Servietten gehört zum Unterricht.

Wie machst Du das? Antje de Vries (Mitte) kocht mit Schülerinnen des Sonderpädagogischen Förderzentrum. Diesmal sind es griechische Gerichte, die Stefani (l.) und Afra (r.) zubereiten. © Martin Hangen

München – Es sind griechische Wochen am Sonderpädagogischen Förderzentrum – kurz SFZ genannt. Hier an der Dachauer Straße in München kommen vor allem junge Menschen in den Unterricht, die wirtschaftlich benachteiligt sind und in ihrem privaten Umfeld kaum gefördert werden. Bei einigen steht jeden Donnerstag das gemeinsame Kochen auf dem Stundenplan. Sarah Lechner (36), Fachlehrerin für Ernährung, sagt: „Bei vielen gehört das tägliche Kochen zu Hause gar nicht mehr zum Alltag.“ Maximal sechs Schüler stehen am Herd – heute sind es Afra (14), Stefani (15), Milena (16) und Lorenzo (16). Sie bereiten diesmal typisch griechische Gerichte wie die gefüllten Weinblätter oder die Zucchinipuffer zu. Weil griechische Wochen sind.

„Schaut mal, ich habe frische Weinblätter auf dem Markt gefunden.“ Antje de Vries von „Küche ohne Grenzen“ unterstützt heute das gemeinsame Kochen. Sie hat die Erfahrung gemacht: „Beim Kochen kann jeder von jedem Lernen. Das ist so beeindruckend.“ Selbst für Antje de Vries, international geschätzte Food-Expertin, gilt diese Tatsache. Afra zeigt ihr an diesem Morgen, wie in ihrer Heimat die gefüllten Weinblätter geformt werden. Schon nach wenigen Minuten gemeinsamen Wickelns der Blätter steht fest: In jedem Land macht man das anders. Und Antje de Vries sagt: „Diese Technik kannte ich noch gar nicht.“

Durch das gemeinsame Kochen mit gastronomischen Profis üben die Heranwachsenden praktische Tätigkeiten am Herd. Vielleicht zeigt sich so auch eine berufliche Perspektive. „Das wäre schön“, sagt Sarah Lechner.

Aber jetzt geht es erst einmal darum, den Jugendlichen ein Gefühl für gute Lebensmittel und Wissen darüber zu vermitteln. Alle stehen an ihren Posten – „so nennt man den Arbeitsplatz am Herd in der Profi-Küche“, sagt de Vries. Wenn sie für Lehrkräfte oder Gäste kochen, können sie stolz auf sich und ihre neuen Fähigkeiten sein. Hier geht es darum, mit den eigenen Händen etwas herzustellen. „Das stärkt das Selbstbewusstsein der jungen Menschen.“

Zum Schluss wird gemeinsam gegessen. Alle sitzen an einem schön gedeckten Tisch. Es wird geredet und viel gelacht.

Ein Teil des Essens wird auch über den Pausenverkauf vertrieben. „Wir simulieren die Arbeitswelt mit Übungsfirmen“, erklärt Schulleiter Peter Kaiser. Eine davon ist das Catering. Es ist ein kleines Projekt, das viel Man-Power bindet, aber „nur so können wir den Kindern Perspektiven aufweisen“.

Artikel 7 von 11