Die OP gegen den Schlaganfall

von Redaktion

Röntgenbild: Im Kreis der eingesetzte Clip zum Verschluss des Vorhofsohrs.

Wie ein elektrisches Gewitter im Herzen: Bei Vorhofflimmern kommt es zu chaotischen Herzschlägen. Es können sich Blutgerinnsel bilden, ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall verursachen. © Alamy Stock Photos / Brain light

München – Allein in Deutschland leiden etwa zwei Millionen Menschen an Vorhofflimmern. Es ist die häufigste Herzrhythmusstörung und trifft vor allem Ältere. Sie birgt eine große Gefahr: Die Betroffenen haben ein fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko! Deshalb nehmen die meisten regelmäßig Blutverdünner ein. In manchen Fällen kann aber auch eine OP sinnvoll sein – entweder per Katheter oder im Rahmen einer Herzoperation. „Beide Varianten sind effektiv und vergleichsweise schonend“, erklärt Prof. Markus Krane, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie im TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum.

Vorhofflimmern kann eine fatale Kettenreaktion in Gang setzen. Es erzeugt eine Art elektrisches Gewitter in den Vorhöfen des Herzens. Die Folge: „Statt kräftig zu pumpen, flimmern die Vorhöfe unkoordiniert. Dadurch können sich insbesondere im linken Vorhof Blutgerinnsel bilden. Genauer gesagt im linken Vorhofsohr, einer beutelartigen Ausstülpung. Von dort aus kann das Gerinnsel dann mit dem Blutfluss ins Gehirn geschwemmt werden und dort eine Arterie verschließen“, so Krane. Dieses Schicksal ereilt nach Expertenschätzungen jährlich etwa 40 000 bis 60 000 der insgesamt bis zu 270 000 Schlaganfall-Patienten.

Was also tun, wenn man von der Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern betroffen ist? Gerinnungshemmende Medikamente wie Xarelto, Eliquis, Lixiana oder Pradaxa – alle aus der Gruppe der sogenannten Neuen Oralen Antikoagulanzien (NOAK) – können das Gerinnsel-Risiko immerhin um etwa zwei Drittel verringern. Es gibt allerdings auch Patienten mit Vorhofflimmern, die keine Blutverdünner einnehmen können – etwa weil sie bereits schwere Blutungen erlitten oder ein erhöhtes Sturzrisiko haben. Bei Patienten mit Blutverdünnern reichen nämlich mitunter schon scheinbar harmlose Stürze aus, um gewaltige Hämatome zu verursachen – charakteristisch sind auch beispielsweise große blaue Flecken nach einem kleinen Rempler gegen Möbel. Diesen und ähnlich gefährdeten Menschen können die Ärzte mit einem relativ schonenden Eingriff helfen.

Der Eingriff: Er zielt darauf ab, das linke Vorhofohr zu verschließen. Dadurch wird verhindert, dass Blut hineinfließt und sich überhaupt Gerinnsel bilden können. Das Herz nimmt dadurch keinen Schaden und verliert auch nicht an Kraft.

Die Methode im Herzkatheterlabor: Am häufigsten wird das Vorhofohr mit einem Eingriff im Herzkatheterlabor ausgeschaltet, diesen sogenannten „interventionellen Verschluss“ nehmen in der Regel Kardiologen vor. Dabei wird ein dünner Schlauch durch die Leistenvene eingeführt. In dessen Inneren wird ein zusammengelegtes Schirmchen bis zum Herzen transportiert und dort entfaltet. Es verschließt das Vorhofohr. Der Fachbegriff für dieses Schirmchen heißt Okkludersystem. Insgesamt dauert der Eingriff etwa 45 bis 90 Minuten, der Patient muss ein bis zwei Tage im Krankenhaus bleiben. Danach kann er sehr häufig auf die Einnahme von Blutverdünnern verzichten.

Das Vorgehen bei einer Herz-Operation: In manchen Fällen wird das sauch bei einer Herz-OP verschlossen. „Dazu setzt man einen Gefäßclip an, der das Vorhofohr von außen versiegelt bzw. zuklemmt. Diese Prozedur dauert nur wenige Sekunden wird mitunter im Rahmen einer OP wegen eines anderen Herzproblems miterledigt“, erklärt Herzchirurg Krane. Der Verschluss kann auch mit einer chirurgischen Ablation kombiniert werden. Das ist ein Verfahren, um hartnäckige Fälle von Vorhofflimmern zu beenden. „Bei diesem Verfahren werden unter anderem im Bereich der Lungenvenen Herzzellen verödet, die die Herzrhythmusstörungen verursachen“, so Krane. Sowohl bei der chirurgischen Ablation als auch beim Vorhofohrverschluss kommen die Herzchirurgen zum Teil mit kleinen Schnitten aus, oft auf der rechten Seite des Brustkorbs. Dieser Zugang – Fachbegriff rechtsseitige Thorakotomie – wird auch bei vielen minimalinvasiven Operationen an Herzklappen verwendet.

Die Chancen und Risiken: „Patienten, die keine Blutverünner nehmen können, profitieren enorm von einem Verschluss des Vorhofohrs“, betont Krane. „In spezialisierten Zentren liegt das Risiko für eine ernste, aber in den allermeisten Fällen trotzdem gut beherrschbare Komplikation bei maximal zwei bis drei Prozent – gegenüber einem stark erhöhten Schlaganfall-Risiko, wenn man nichts unternimmt.“

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