Schmerzen im Kniegelenk: Die Ursachen können von leichter Überlastung bis zum starkem Verschleiß oder Verletungen reichen. © Fotos: Smarterpix, Mauritius
München – Das Knie ist anfällig für Verletzungen und Verschleiß. In unserer Gelenkserien erklären Spezialisten des TUM Klinikums, wie Sie Ihre Beschwerden mit einfachen Fragen und Mini-Tests einordnen können. Zudem gibt es einen Überblick über wichtige Alarmsignale und Fortschritte bei der Behandlung.
„Das Knie ist komplex“, sagen Prof. Rüdiger von Eisenhart-Rothe, Prof. Sebastian Siebenlist, Dr. Julian Zapf und PD Dr. Armin Runer vom TUM Klinikum. Sie raten zu einem schnellen Arzttermin bei Alarmzeichen: „Wenn Sie starke Ruheschmerzen und Fieber haben, Ihr Knie rot, warm und stark geschwollen ist, sollten Sie diese Beschwerden rasch ärztlich abklären lassen.“ Auch Bewegungseinschränkungen nach Stürzen oder Unfällen sind kritisch – etwa dann, wenn sich das Bein kaum oder gar nicht anheben lässt. Eine ausgekugelte Kniescheibe ist ein Grund für einen Arzttermin, selbst dann, wenn sie von alleine wieder reinspringt. Schmerzen, die über Tage eher zunehmen als nachzulassen, sind bedenklich.
Diese Verletzungen können Sie mit kleinen Tests einordnen – wichtig: Sie ersetzen die ärztliche Diagnose nicht!
Kreuzbandriss
Typisch im Alltag: Plötzliches „Wegknicken“ oder „Schnalzen“ im Knie, oft nach Drehbewegung oder abruptem Abstoppen. Typische Verletzung beim Skifahren oder Fußball.
Beschwerdemuster: starker Schmerz, das Knie kann schnell dick werden. Es fühlt sich instabil an, besonders Richtungswechsel. Man kann das Bein nicht mehr richtig belasten, geht unsicher. Nach einigen Tagen lässt der Schmerz nach, aber das Instabilitätsgefühl bleibt.
Schneller Selbstcheck: Fühlt sich das Knie instabil an, als würde es „nachgeben“? Wurde das Knie innerhalb der ersten Stunden deutlich dick?
Das hilft: entlasten, kühlen, Bein hochlegen. Junge Patienten, die viel Sport treiben, werden meist operiert. Wer weniger aktiv ist, kommt möglicherweise auch ohne Eingriff wieder auf die Beine. Eine individuelle Abklärung beim Spezialisten ist entscheidend!
Meniskusriss
Typisch im Alltag: Schmerzen bei Dreh- oder Hockbewegungen, z. B. beim Aufstehen vom Stuhl, Aussteigen aus dem Auto oder beim Bücken.
Beschwerdemuster: Stechender Schmerz an der Innen- oder Außenseite des Knies. Belastungsschmerzen, besonders beim Drehen oder tiefen Beugen. Manchmal „Blockiergefühl“ oder Schnappen im Gelenk. Leichte Schwellung möglich, aber meist weniger als beim Kreuzbandriss.
Schneller Selbstcheck: Verstärkt sich der Schmerz, wenn Sie beispielsweise im Stand leicht in die Knie gehen und das Bein drehen? Ist eine klar abgrenzbare Stelle innen oder außen am Gelenkspalt besonders schmerzhaft?
Das hilft: Stark abhängig vom Einzelfall. Kriterien sind das Alter, die Dauer der Schmerzen, Rissform und Akivitäts-Anspruch. Bei verschleißbedingten Rissen und vorübergehenden Schmerzen kann man abwarten und Physiotherapie machen. Bei kleineren Rissen ist eine Heilung auch ohne OP möglich. Wenn das Gelenk blockiert und sich die Schmerzen hartnäckig halten, ist ein Eingriff ratsam. Gerade bei jungen Patienten sollte der Meniskus erhalten werden!
Kniescheibenluxation
Typisch im Alltag: Die Kniescheibe springt seitlich heraus, oft bei einer Drehbewegung, bei einem schnellen Richtungswechsel und manchmal sogar bei einfachen Kniebeugen.
Beschwerdemuster: stechender Schmerz an der Vorderseite bzw. Außenseite des Knies. Das Knie schwillt rasch an. Eine rasche Abklärung ist sinnvoll, da möglichweise ein Knorpelschaden entstanden ist. Instabilitätsgefühl, Angst, dass die Kniescheibe erneut herausspringt.
Selbstcheck: Fühlt sich das Knie so an, als könnte die Kniescheibe wieder herausrutschen? Ist das Knie schnell dick geworden?
Das hilft: Kühlen, hochlagern, Bandage verwenden. Ursachen aklären und abstellen – bei wiederholten Luxationen können sich Knorpelschäden und Arthrose entwickeln. Die OP-Entscheidung hängt vom Einzelfall ab.ANDREAS BEEZ