Der Selbstcheck für Ihre Wirbelsäule

von Redaktion

Wie Sie Schmerzen an der Lendenwirbelsäule einordnen können und was ein Experte rät.

Kreuzweh: Der unteren Rücken schmerzt am häufigsten. © Foto: Imago

Bei einer Blockade des Iliosakralgelenks (ISG) hilft Osteopathie: Ein Therapeut behandelt eine Patientin. © Foto: Smarterpix

München/Starnberg – Fast jedem zwickt mal der Rücken – in den allermeisten Fällen der untere Abschnitt. Die gute Nachricht: In 90 Prozent der Fälle sind die Beschwerden ungefährlich, eine OP ist selten nötig. Es gibt allerdings auch Alarmsignale, bei denen ein rascher Arztbesuch ratsam ist. Der Münchner Rückenspezialist und Sportmediziner Dr. Sebastian Torka erklärt, wie Sie Schmerzen am unteren Rücken einordnen können.

Das Kreuz mit dem Rücken – zwischen 65 und 80 Prozent der Bundesbürger haben laut verschiedenen Umfragen öfter mal mit Beschwerden im Wirbelsäulenbereich zu kämpfen. Besonders oft ist der untere Rücken betroffen. Zum Glück sind die Ursachen für die Beschwerden meistens vergleichsweise harmlos. „Auslöser sind oft muskuläre Verspannungen und Fehlhaltungen in Kombination mit Bewegungsmangel – inbesondere bei Menschen, die klassische Bürojobs haben“, weiß der Münchner Orthopäde Dr. Sebastian Torka. Die Crux dabei: Rückenschmerzen sind oft zäh, sie können immer wieder aufflammen und auch in andere Körperregionen ausstrahlen.

Torka erklärt den anatomischen Hintergrund: „Die Wirbelsäule ist eine Art Steuerungszentrale unseres Muskel-Skelettsystems. Die Zusammenhänge sind komplex. Wenn die Achillessehne an der Ferse gereizt ist, kann die Wurzel des Problems auch am unteren Rücken liegen.“ Oft haben Rückenschmerzen auch mehrere Auslöser, die miteinander zusammenhängen. So kann beispielsweise eine Blockade des Iliosakralgelenks (ISG) den Ischiasnerv reizen (siehe Kasten). Eine Kettenreaktion, die starke Schmerzen verursachen und ins Bein ausstrahlen kann. „Für Rückenpatienten ist es oft schwer, die Beschwerden eindeutig zuzuordnen. Es können etwa das ISG, die Bandscheiben und die kleinen Zwischenwirbelgelenke (Facetten) betroffen sein oder auch alle drei Probleme zusammenkommen. Deshalb sollte man zunächst zwischen echten Alarmsignalen und Symptomen ohne sofortigen Handlungsbedarf unterscheiden“, rät Torka. Für unsere Leser hat der erfahrene Diagnostiker, der in der Gemeinschaftspraxis Ortho-Sports in München und Starnberg viele Rückenpatienten behandelt, zwei Checklisten erstellt.

Kritische oder eher harmlose Symptome? Zwei Checklisten

Bei diesen 10 Alarmsignalen sollten Sie schnell zum Arzt gehen: 1. Starke Rückenschmerzen auch in der Nacht. 2. Taubheit im Genital- und Analbereich. 3. Kraftverlust oder sogar Lähmungserscheinungen im Bein. 4. Probleme beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang (Entleerungsstörungen oder Inkontinenz). 5. Fieber in Kombination mit Rückenschmerzern. 6. Starke Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall. 7. Die Schmerzen werden trotz Schonung schlimmer – auch noch nach einigen Tagen. 8. Ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Gesäß und Bein, das sich ausbreitet. 9. Unerklärlicher Gewichtsverlust. 10. Wenn starke Schmerzen bis in den Fuß hinein ausstrahlen. Wichtig: „Wenn Darm und Blase nicht mehr funktionieren und Lähmungserscheinungen im Bein auftreten, handelt es sich um Notfälle. Bei solchen Symptomen sollte man im Zweifel lieber auch nachts handeln und sich in die Notaufnahme bringen lassen beziehungsweise den Notruf wählen“, rät Torka.

Bei diesen 10 Symptomen müssen Sie nicht sofort zum Arzt gehen: 1. Dumpfer, ziehender oder drückender Schmerz im Rücken. 2. Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule ohne neurologische Ausfälle wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl. 3. Verspannung bzw. ein „harter Rücken“. 4. Ein steifer Rücken – besonders morgens nach dem Aufstehen oder nach langem Sitzen. 5. Schmerzen beim Drehen oder Bücken. 6. Wenn sich die Beschwerden durch Bewegung oder Wärme bessern. 7. Bei einem Blockadegefühl im Rücken. 8. Schmerzen nach schwerem Heben oder Stress. 9. Leichte Schmerzausstrahlung ins Gesäß oder in die Hüfte. 10. Wenn die Intensität der Schmerzen von Tag zu Tag wechselt.

Iliosakralgelenk, Bandscheiben oder Facettengelenke?

So können Sie grob einschätzen, ob eher das Iliosakralgelenk, die Bandscheiben oder die Facettengelenke (kleine Zwischenwirbelgelenke) betroffen sind:

ISG: Die Schmerzen treten eher seitlich auf und vor allem am Gesäß.

Bandscheiben: Typisch sind Schmerzen bei Beugung und im Sitzen, mögliche Ausstrahlung ins Bein.

Facettengelenke: Schmerzen bei Streckung und Drehung.

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