Kräuterhexe Ingrid Prummer (rechts) aus Lengries. © Astrid Schmidhuber
Am Herd: Ingrid Prummer und Stephanie Ebner (r.).
Die Nacht geht auf die Heilige Walburga zurück.
Mit Kümmel hat man einst Hexen vertrieben.
Kräuterküche, die das ganze Jahr schmeckt.
Sie nennt sich selbst „Kräuterhexe“: Ingrid Prummer aus Lenggries ist eine Gewürz-Sommelière. © Astrid Schmidhuber
Lenggries – Sie stammt aus einer norddeutschen Heilkräuterfamilie, hat ursprünglich Drogistin gelernt und schon immer gerne Tee getrunken. Das sind natürlich ideale Voraussetzungen für ein Leben als Hexe. Kräuterhexe, besser gesagt. Die Lenggrieserin Ingrid Prummer ist in ihrem Element, wenn sie von Kräutern und Gewürzen spricht: „Ich habe nichts geplant, aber es hat sich alles glücklich gefügt.“
Ingrid Prummer steht in ihrem Laden in der Lenggrieser Schützenstraße. Ein wandelndes Lexikon, was Geschichten rund um Kräuter und Gewürze angeht. Den Hexenbesen in der Hand, erzählt die ausgebildete Gewürz-Sommelière von der Walpurgisnacht, die auf den 1. Mai gefeiert wird. Die Bedeutung der Walpurgisnacht geht weit zurück: „Die Heiden haben einst Frühlingsfeste gefeiert, die das Ende des Winters einläuteten. Christliche Einflüsse folgten. Die Bräuche verschmolzen irgendwann miteinander.“ Der Name des Festes leitet sich übrigens von der heiligen Walburga ab, deren Gedenktag bis ins Mittelalter am 1. Mai, dem Tag ihrer Heiligsprechung, gefeiert wurde.
Früher wurden Hexen verfolgt, im Mittelalter mussten sie unter grausamen Folterungen gestehen, dass sie „Hexen“ sind – oft waren es Hebammen, Witwen, junge Mädchen. In der Neuzeit gilt die Hexe dagegen als Symbol der Emanzipation.
Und das passt zu Ingrid Prummer: Als junge Frau zog sie von Kiel nach München. Nach einem schweren Autounfall lernte sie auf der Reha ihren späteren Mann, einen Lenggrieser, kennen. Er nannte sie von Anfang an liebevoll „meine kleine Kräuterhexe“. Zwei Töchter erblickten dann im Laufe der Zeit das Licht der Welt und Ingrid Prummer arbeitete eine Zeit lang als Pfarrsekretärin. Später, nachdem die Arbeitsstelle im Gewürzladen (“mein Lieblingsladen“) frei war, übernahm sie kurzerhand diesen. Seitdem ist sie die Kräuterhexe von Lenggries. Ingrud Prummer sagt stolz: „Ich lebe meinen Traum.“
Elf Jahre ist das jetzt her. Ihr ganzes Herzblut steckt sie in die Welt der Kräuter. „Viel Wissen ist in den letzten Jahrhunderten beinahe für immer verloren gegangen“, sagt sie. Erst seit ein paar Jahren erlebt die Welt der (Wild-)Kräuter eine Renaissance. Das Wissen gehe auf die Klosterfrau und Kräuterkundlerin Hildegard von Bingen zurück.
In ihrem Laden hat ihr Mann Hans gerade eine Hexenküche „gezaubert“. Dort will Ingrid Prummer künftig Kurse zum Thema anbieten. „Es gibt so viel darüber zu erzählen.“