Verunsicherung beim Einkaufen: Viele Verbraucher fragen sich, welche Lebensmittel unbedenklich sind und welche gesundheitliche Probleme verursachen können. © smarterpix
München – Ob Pestizidrückstände in Gemüse, Antibiotika im Fleisch oder Schimmelsporen in Backwaren: Die gesundheitlichen Risiken durch Lebensmittel nehmen stetig zu. Wie gefährlich unser Essen sein kann, erklärt Ärztin Dr. Julia Fischer. Regelmäßig räumt die Medizinerin mit Gesundheitsmythen auf – ob auf ihrem Youtube-Kanal ARD Gesund oder auf Instagram (@dr.juliafischer). Ihr Fakten-Check:
Antibiotika in Fleisch
Das Problem sind Antibiotikaresistenzen. Denn der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung kann resistente Bakterien fördern. Diese können über Lebensmittel oder Tierkontakt auf den Menschen übertragen werden – das ist aus medizinischer Sicht die größere Herausforderung als Antibiotika-Rückstände im Fleisch. In der EU gibt es strenge Grenzwerte: nach einer Behandlung müssen Tiere eine Wartezeit einhalten, bevor sie geschlachtet werden. So wird sichergestellt, dass mögliche Rückstände auf ein unbedenkliches Maß sinken. Für den Alltag heißt das: Mit Fleisch bewusst umgehen – nicht übermäßig konsumieren, auf gute Herkunft und Qualität achten und auf eine abwechslungsreiche Ernährung setzen.
Risiko Schimmel
Bei Brot, weichem Obst, Gemüse, Joghurt, Marmelade: wegwerfen. Nicht großzügig abschneiden und hoffen. Denn Schimmel kann unsichtbare Gifte, sogenannte Mykotoxine, bilden, die sich im Lebensmittel ausbreiten können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, besonders bei weichen oder wasserreichen Lebensmitteln, verschimmelte Produkte vollständig zu entsorgen. Harte Lebensmittel wie sehr fester Käse sind Sonderfälle – aber als Faustregel für zu Hause gilt: Bei Schimmel lieber nicht heldenhaft sein.
Salzfalle Fertiggericht
Viele, aber nicht alle Fertiggerichte sind so konzipiert, dass sie lange haltbar und „hyperschmackhaft“ sind – oft mit viel Salz, Zucker und ungünstigen Fetten bei geringer Nährstoffdichte. In einer Fertigpizza können bis zu zehn Gramm Salz stecken – damit ist die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlene Tageshöchstmenge von sechs Gramm schnell überschritten. Gelegentlich ist das unproblematisch. Kritisch wird es bei regelmäßigem Konsum – dann kann viel Salz den Blutdruck erhöhen, ein wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Problem Plastikverpackung
Meist ist Fleisch in Plastikverpackung nicht ungesünder als unverpacktes Fleisch, wenn die Verpackung für Lebensmittel zugelassen ist. Relevant wird Plastik dann, wenn Materialien nicht korrekt geprüft sind oder wenn problematische Stoffe migrieren (in der EU sehr selten ein Risiko).Heißt: Verpacktes Fleisch ist nicht automatisch schlechter; wichtiger sind unbeschädigte Verpackung, Kühlkette und das Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum.
Schädliches Fett
Gesättigte Fettsäuren aus viel Wurst, Butter, Sahne und fettem Fleisch sollten nicht dominieren, weil sie in höheren Mengen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung stehen. Besonders ungünstig sind Transfette, die in Chips oder Fertigkeksen vorkommen können. Die DGE empfiehlt, gesättigte durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu ersetzen. Wichtig aber ist: Fett macht nicht fett. Entscheidend ist die Qualität. Ungesättigte Fettsäuren aus Pflanzenölen, Nüssen, Samen und Fisch wirken sich günstig auf das Herz-Kreislauf-System aus und können beispielsweise den LDL-Cholesterinspiegel senken. Auch Omega-6-Fettsäuren sind nicht „schlecht“. Wichtig ist vielmehr, ausreichend Omega-3-Fettsäuren aufzunehmen, etwa über fetten Fisch, Walnüsse oder Leinsamen.
Ist Bio immer gesünder?
Bio-Lebensmittel werden ohne synthetische Pestizide und mit strengeren Regeln für Düngung produziert. So finden sich in Bioprodukten im Schnitt weniger Pestizidrückstände. Der entscheidende Punkt für unsere Gesundheit ist aber nicht, ob Gemüse bio ist oder nicht, sondern ob wir überhaupt genug davon essen. Wer mehr Obst, Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchte auf den Teller bringt, tut seinem Körper Gutes. Ist das Budget begrenzt, gilt: Lieber mehr Gemüse – auch konventionell – als weniger Gemüse in Bioqualität.
Das hilft der Gesundheit
Entscheidend für die Gesundheit ist weniger ein einzelnes Lebensmittel, sondern das langfristige Ernährungsmuster. Dazu gehören unter anderem der Anteil an Gemüse, hochverarbeiteten Lebensmitteln, zudem Alkohol, Salz und die Energiezufuhr insgesamt.MARTINA WILLIAMS