Jede zehnte Krebserkrankung durch Übergewicht

von Redaktion

Übergewicht als Auslöser für Krebserkrankungen spielt eine größere Rolle als angenommen. © Foto: imago

Heidelberg – Übergewicht könnte für deutlich mehr Krebsfälle verantwortlich sein als bislang angenommen. Laut einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg sind vermutlich mehr als zehn Prozent aller Krebserkrankungen auf ein erhöhtes Körpergewicht oder Fettleibigkeit zurückzuführen. Das sind fast doppelt so viele wie nach bisherigen Schätzungen zu vermuten war.

Die meisten Studien zu Übergewicht und Krebs stützen sich auf den Body-Mass-Index (BMI), der aus dem Gewicht und der Körpergröße berechnet wird. Der BMI unterscheidet jedoch nicht zwischen Fett- und Muskelmasse und liefert keine Informationen darüber, wo sich Fett im Körper ansammelt. Doch gerade das Fett im Bauchraum gilt Experten zufolge als besonders stoffwechselaktiv und steht in engem Zusammenhang mit Entzündungsprozessen und anderen Mechanismen, die Krebs begünstigen können.

Ein DKFZ-Forscherteam verglich deshalb neben dem BMI auch den Taillenumfang sowie das Taille-Hüft-Verhältnis als Maße für die Fettverteilung. Analysiert wurden die Daten von 458.543 Frauen und Männern, die in der britischen UK Biobank gespeichert waren.

Neben Körperfettwerten wurden auch methodische Verzerrungen berücksichtigt. Viele Tumoren verursachen demnach bereits Jahre vor ihrer Diagnose einen ungewollten Gewichtsverlust, weshalb Betroffene zum Zeitpunkt der Diagnose schlanker erscheinen, was den Experten zufolge den statistischen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs abschwächt. Die Forscher schlossen daher die ersten Jahre nach Studieneintritt der Teilnehmer aus.

In den Analysen stieg der ermittelte Anteil der durch Übergewicht verursachten Krebsfälle dadurch von rund 5,5 Prozent auf bis zu 11,5 Prozent. Damit könnte mehr als jede zehnte Krebserkrankung mit überschüssigem Körperfett zusammenhängen.

Zudem deute die Studie darauf hin, dass der durch Übergewicht bedingte Anteil der Krebserkrankungen bei Frauen höher sein könnte als bei Männern. Auch bei jüngeren Erwachsenen unter 60 Jahren könnte das Körperfett tendenziell eine größere Rolle für das Erkrankungsrisiko spielen.

Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland leidet mittlerweile unter Übergewicht. Laut aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) brachten im Jahr 2025 gut 53,4 Prozent der Erwachsenen ein zu hohes Körpergewicht auf die Waage. Ein Viertel der Bevölkerung leidet sogar unter Adipositas, also einer behandlungsbedürftigen, krankhaften Fettleibigkeit.

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