Fit im Alter: Was wirklich stimmt

von Redaktion

Regelmäßige Bewegung wie Radeln oder Spaziergänge sind im Alter ein wichtiger Fitnessfaktor. © PantherMedia

Neugierig bleiben – etwa technische Entwicklungen verfolgen: Das hält im Alter fit. Auch soziale Kontakte, regelmäßige Gespräche im Familien- und Freundeskreis sind sehr wichtig. © U. Umstätter

■ Alt beginnt im Kopf

Wann ist ein Mensch alt? Mit 60, beim Renteneintritt oder wenn das Treppensteigen schwerer fällt? Eine eindeutige Grenze gibt es nicht. Die Forschung unterscheidet zwischen chronologischem, biologischem, sozialem und gefühltem Alter. Zudem entwickeln sich Menschen immer unterschiedlich. „Das Alter ist nicht das, was in unserem Reisepass steht – es ist das, was wir daraus machen“, sagt Ristl. Wie wir über das Alter denken, ist dabei keineswegs belanglos. In einer Langzeitstudie lebten Menschen mit einer positiven Einstellung zum eigenen Älterwerden durchschnittlich 7,5 Jahre länger als Teilnehmer mit negativen Erwartungen.

■ Alter ist keine Krankheit

Im Alter bauen Muskeln leichter ab, die Regeneration dauert länger und manche Erkrankungen werden wahrscheinlicher. „Veränderungen unseres Körpers gehören zu einem langen Leben dazu. Alter ist aber nicht gleich Krankheit“, betont Ristl. Wie gesund wir altern, hängt vom Zusammenspiel aus Genetik, Lebensstil und Umwelt ab. Auch Bildung, Einkommen, Arbeitsbedingungen und Beziehungen hinterlassen Spuren. Trotzdem ist es nie zu spät, etwas im Leben zu verändern. „Der persönliche Einfluss auf die Gesundheit ist größer, als viele annehmen“, sagt Nikitin. Regelmäßige Bewegung, guter Schlaf, ausgewogene Ernährung, wenig Alkohol, Nichtrauchen und stabile Kontakte können helfen – selbst wenn man erst spät damit beginnt.

■ Das Gehirn lernt weiter

Ein Name fällt uns nicht sofort ein, Gespräche mit mehreren werden anstrengend: Solche Veränderungen bedeuten nicht automatisch geistigen Verfall. Zwar kann es länger dauern, Informationen abzurufen. Erfahrungswissen bleibt dagegen oft bis ins hohe Alter stabil oder wächst sogar weiter. „Unser Gehirn ist eines der anpassungsfähigsten Organe“, erklärt Ristl. Lesen, Gespräche, Bewegung, Musik, Tanzen und neue Erfahrungen stärken die geistige Reserve. Wichtig sind gutes Hören, soziale Kontakte und Abwechslung.

■ Was uns schadet

Wer einem älteren Menschen ständig Aufgaben abnimmt, obwohl er sie selbst bewältigen könnte, vermittelt ihm: Du kannst das nicht mehr. Ebenso wenig hilft der Drang, möglichst lange jung zu wirken. Gutes Altern bedeutet nicht, mit 75 Jahren so zu tun, als wäre man 35. Es bedeutet vielmehr, Veränderungen anzunehmen, ohne sich von ihnen bestimmen zu lassen.

■ Nähe hält gesund

Soziale Beziehungen sind kein nettes Extra, sondern ein wichtiger Gesundheitsfaktor. Wer eingebunden ist, lebt länger, erholt sich schneller und ist besser vor Erkrankungen geschützt. Dabei zählt nicht die Größe des Freundeskreises. Wenige enge Beziehungen können erfüllender sein als viele oberflächliche Kontakte. „Einsamkeit ist kein unausweichliches Schicksal des Alters“, sagt Ristl. Entscheidend ist, sozial orientiert zu bleiben durch Freunde, Nachbarn, gemeinsame Interessen oder digitale Kontakte. „Wer das Altern als Verlust erlebt, zieht sich eher zurück. Wer das Altern als Gewinn erlebt, geht aus sich heraus und auf andere zu“, erklärt Nikitin.

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