Am Rande Notiert

Mehr Papier für eine sinkende Kreisumlage

von Redaktion

Mühldorf – Der Landkreis Mühldorf ist nicht nur eine Wachstumsregion, er ist nicht nur ein Chancenlandkreis, er ist auch Vorreiter beim Erfassen des digitalen Fortschritts.

Um den Fortschritt zu messen, braucht das Landratsamt keinen wissenschaftlichen Beirat, keine Gutachten und komplizierte Berechnungen mit Varianz, Normalwert oder Interquartilsabstand. Dem Landratsamt genügt ein Blick in die Müllstatistik, um den digitalen Fortschritt zu messen.

Seit 2021 werfen die Landkreisbürger 14,6 Prozent weniger Altpapier in die blauen Tonnen. Der Grund laut Geschäftsbereich Kommunale Abfallwirtschaft: die zunehmende Digitalisierung. Das führt zu weniger gedruckten Zeitungen, Zeitschriften und Katalogen. Juhu.

Doch kaum haben wir uns über diesen Fortschritt gefreut, kommt aus dem Landratsamt eine Pressemitteilung: „Erweitertes Serviceangebot für die kostenlose und komfortable Entsorgung von Papier und Kartonagen“.

Dabei handelt es sich um elektrische Papierpressen an den Wertstoffhöfen. Die gibt es schon in Haag und Neumarkt-St. Veit und demnächst auch in Ampfing, Buchbach und Polling. Mit diesen Pressen können, O-Ton Landratsamt, „auch größere Mengen an Papier, Pappe und Kartonagen“ entsorgt werden. Damit reagiere die Abfallwirtschaft „auf veränderte Nutzungsbedürfnisse“.

Aha. Haag und Neumarkt rebellieren scheinbar schon länger gegen das allgegenwärtige Tippen, Klicken, Wischen und Scrollen. Sie setzen weiter auf das gedruckte Wort, das raschelnde Papier und die Druckerschwärze an den Fingern. Jetzt schließen sich auch Ampfing, Buchbach und Polling dem Widerstand an.

Diese Rebellion wider den Zeitgeist hilft auch dem Chancenlandkreis. Denn auch das ist aus dem Landratsamt zu vernehmen: Die Erlöse aus dem Verkauf des Altpapiers sind für den klammen Landkreis eine feste Einnahmequelle. Wer also die Kreisumlage senken will, der steige wieder auf Papier um.

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