Wieder Geldautomat gesprengt

Großer Knall, fette Beute

von Redaktion

VON Johannes Heininger

Zerbrochene Fensterscheiben, überall Glassplitter, zerfetzte Deckenreste und ein völlig demolierter Geldautomat – viele Kunden der Commerzbank an der Schleißheimer Straße (Schwabing) standen am Donnerstagmorgen entsetzt vor der verwüsteten Filiale. In der Nacht hatten Unbekannte mit einem Gasgemisch eine gewaltige Explosion verursacht, Bargeld abgezockt und die halbe Nachbarschaft aus dem Schlaf gerissen.

„Mich hat es aus dem Bett geschleudert, so sehr bin ich erschrocken“, erzählt Ursula Zacherl noch immer geschockt. Die 57 Jahre alte Putzfrau lebt in der Wohnung direkt über der Bankfiliale. „Auch meine Katze war ganz hysterisch. Ich dachte, ich bekomme einen Herzinfarkt.“ Gegen 3.15 Uhr erschütterte die heftige Detonation das Gebäude an der Kreuzung zur Clemensstraße. Zehn Minuten später rasten Einsatzwagen von Polizei und Feuerwehr zum Tatort, von den Räubern fehlte aber bereits jede Spur.

Sie hatten vermutlich Propangas in den Geldautomaten geleitet und das hochexplosive Gemisch mit einer Lunte aus sicherer Entfernung gezündet. Die zerstörerische Kraft zerlegte den Automaten in seine Einzelteile. Die Ganoven schnappten sich die Geldkassetten und flüchteten. Wie viel Bargeld zu diesem Zeitpunkt dort aufbewahrt wurde, ist noch nicht endgültig geklärt. Vermutlich ist der materielle Schaden an dem Gebäude um einiges höher als der Wert der Beute. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf etwa 100 000 Euro. Handwerker entfernten gestern die gesamte Deckenkonstruktion. Auch die Fensterscheiben sind ruiniert. Zudem brannte es nach der Explosion in dem Vorraum. Die Filiale ist deshalb auch bis auf Weiteres geschlossen. „Wir hoffen, unsere Kunden haben dafür Verständnis“, bedauert Commerzbank-Sprecher Hans-Peter Rudolph.

Ob die Explosion auch Auswirkungen auf die Statik des Gebäudekomplexes, in dem auch eine Arztpraxis untergebracht ist, hat, muss ein Gutachten klären. Ein Eigentümer-Vertreter sagte unserer Zeitung: „Es scheint eine sehr starke Explosion gewesen zu sein. Wir gehen auf Nummer sicher und lassen das Gebäude auf eventuelle Schäden untersuchen.“

Ursula Zacherl ist froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist: „Da bin ich sehr erleichtert. Ich wohne schon viele Jahre hier, von solchen Vorfällen blieben wir aber bislang Gott sei Dank verschont.

Die Polizei geht mittlerweile von einer Serie aus. Die rabiaten Ganoven haben innerhalb weniger Wochen ein drittes Mal zugeschlagen. Denn nach Einschätzung der Polizei handelt es sich um dieselben Täter, die schon im Oktober in Bankfilialen Sprengsätze gezündet haben. Am 7. Oktober blieb es aber nur beim Versuch: Auch an der Bertholdstraße in Milbertshofen ließen zwei vermummte Männer Gas in einen Automaten strömen und entzündeten das Gemisch. Doch das Gerät hielt der Explosion stand. Die Täter flüchteten ohne Beute.

Der zweite Fall ereignete sich in Ottobrunn. Identisch ist hier die Uhrzeit. Denn wie im aktuellen Fall sprengten die Gas-Ganoven am 11. Oktober den Geldautomaten einer Bankfiliale an der Naupliaallee gegen 3.15 Uhr. Von dort entkamen sie mit einer größeren Summe Bargeld. Das Kommissariat 51 (Telefon 089/2910 0) sucht jetzt nach Zeugen. Vermutlich sind die Räuber mit einem schwarzen VW-Bus und mit einem silbernen Motorroller entkommen.

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