Ein „fröhliches Bekenntnis“ und „nicht ein Fest der ängstlichen Selbstbehauptung“ ist Fronleichnam nach Ansicht von Kardinal Reinhard Marx. Es sei „immer wieder beeindruckend“, wie bei der Prozession „Texte aus dem Evangelium in die Stadt hineingerufen werden“, sagte der Erzbischof von München und Freising in seiner Predigt zum Fronleichnamsfest am Donnerstag auf dem Marienplatz. Mehr als 10 000 Menschen nahmen am Gottesdienst und der anschließenden Fronleichnamsprozession teil.
An Fronleichnam werde deutlich, dass Christen ihren Weg nicht nur für sich selbst suchten, sondern „zeigen, was wir tun wollen für die ganze Stadt, für alle“, sagte Marx. Angesichts aktueller Herausforderungen und gegenwärtiger Umbrüche rief der Erzbischof dazu auf, sich „nicht durch Meinungsumfragen, Einschaltquoten, Stimmungen bestimmen zu lassen“, sondern zu versuchen, das Leben selbst zu gestalten und „die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums zu begreifen“. Auch für den Glauben bestünden derzeit viele Herausforderungen, so Marx. Zum einen werde weltweit „das Zeugnis zurückgedrängt durch Säkularisierung und Verfolgung“. Der Säkularisierung müssten Christen begegnen, indem sie „überzeugend in die Gesellschaft einbringen, was wir zu sagen haben“. Der Glaube, sei „nicht privat“, sondern berühre viele öffentliche Bereiche, von der Kultur über die Wirtschaft bis zur Politik. Zum anderen bestehe eine „Tendenz zur Vereinfachung der Welt, zum Schwarz-Weiß-Denken, zum Fundamentalismus in allen Religionen“. Dagegen gelte es die Vernunft zu setzen. Glauben dürfe nicht missbraucht werden für politische Interessen. kna