wien kein vorbild für münchen

U-Bahn bleibt eine Ess-Bahn

von Redaktion

VON Christina Meyer

Ein Verbot von Speisen in öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es in München bisher nicht: In den Beförderungsbedingungen des Münchner Verkehrsverbundes (MVV) steht lediglich, dass „übel riechende Personen“ von der Fahrt ausgeschlossen werden können (Paragraf 3) und vom Betriebspersonal oder durch örtliche Anweisung der Verzehr von Speisen oder Getränken untersagt werden kann (Paragraf 4). „Es gibt nur die allgemeine Regel, dass man andere Fahrgäste nicht stören und belästigen darf“, sagt Matthias Korte, Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG).

Andere Städte greifen da härter durch. So ist in Berliner Bahnen schon seit dem Jahr 2000 das Essen verboten, auch in Augsburg darf in Bus und Tram nichts verzehrt werden. In Nürnberg warnen Verbotsschilder im Bus davor, Bratwurst-Weggla & Co. zu verspeisen.

Auch die österreichische Hauptstadt Wien wird nun aktiv: Ab 1. September gilt ein Essensverbot in der dortigen U6, ab 15. Januar 2019 dann auf allen Linien. Die Wiener Linien haben das Verbot aus Rücksicht auf die Mitreisenden ausgesprochen. Geruchsbelästigung scheint bei unseren österreichischen Nachbarn ohnehin ein großes Thema zu sein: So wurden in der Wiener U-Bahn neulich auch 14 000 Deos verteilt.

Ein solches Verbot von Speisen ist in München nicht geplant. Korte: „Wir halten es für sinnvoller, weiter auf gegenseitige Rücksichtnahme zu setzen.“ Dazu gebe es entsprechende Kampagnen: So fordern etwa Filme im Fahrgast-TV die Fahrgäste auf, auf stark riechende Speisen zu verzichten. Lediglich der Konsum alkoholischer Getränke ist hier in den öffentlichen Verkehrsmitteln verboten. „Das ist wichtig, weil es dabei auch um die Sicherheit geht“, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte.

Viele Fahrgäste sind allerdings dafür, das Konsumverbot auch auf Speisen auszuweiten. So meint etwa Florian Zimmermann (28, großes Foto), Einzelhandelskaufmann aus München: „Ich fände ein Verbot sinnvoll. Ich selbst esse nicht im Zug, sondern immer vorher. Ich mag es auch nicht, wenn andere es tun – eben wegen des Geruchs.“ Richard Straßgütl, Küchenhelfer aus München, ärgert sich zudem über den Dreck, der allzu häufig nach dem Essen in Bus und Bahnen liegen bleibt: „Ich verstehe nicht, warum Leute in der Bahn essen müssen. Da werden dann überall die Essensreste verteilt und die Verpackung liegen gelassen, vor allem bei der Hitze riecht das richtig übel. Wir sind hier in einer Großstadt, da gibt es so viele Menschen, da muss man schon ein bisschen auf Sauberkeit achten.“ Der 29-Jährige fände ein Verbot gut: „Man kann doch auch einfach zu Hause essen!“

Laut Martin Marino, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste, wäre ein generelles Speiseverbot in München allerdings praktisch kaum umsetzbar: „So ein Verbot macht nur Sinn, wenn es auch kontrolliert und geahndet wird – und dafür fehlt hier schlichtweg das Personal.“

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