Streit über „Werbepolizei“

von Redaktion

Grün-Rot möchte Sexismus bekämpfen, CSU spricht von Unsinn

Die grün-rote Rathaus-Regierung will eine Werbeaufsicht im Wirtschaftsreferat einrichten. Um ein Konzept auszuarbeiten, soll deshalb eine neue Stelle in der Verwaltung geschaffen werden. In der Begründung für den Antrag heißt es, dass Werbung nicht selten ein verzerrtes Bild der Realität zeige und gerade Frauen oft sexistisch dargestellt würden. Auch in München würden viele Firmen mit eindeutig sexistischen Motiven für ihre Produkte werben, Frauen auf körperliche Merkmale reduzieren und auf diese Weise stereotype Rollenzuschreibungen bestärken.

Die „Werbewatchgroup“ sollte nach den Vorstellungen von Grün-Rot aus Experten im Bereich Gender/Sexismus innerhalb der Verwaltung und aus unabhängigen Fachleuten bestehen. Sie sollen die Werbelandschaft genauestens beobachten und gegebenenfalls Unternehmen kontaktieren. Auswahl und Besetzung des Gremiums würden dem Stadtrat obliegen. Anja Berger von den Grünen begründete den Antrag mit dem grundgesetzlichen Auftrag der Gleichberechtigung von Männern und Frauen: „Die Watchgroup ist ein notwendiges Instrument, um der enormen anhaltenden Präsenz sexistischer Werbung entgegenzuwirken.“ Die Selbstkontrolle der Werbewirtschaft unternehme viel zu wenig gegen Auswüchse, meint Berger.

Die CSU wendet sich dagegen entschieden gegen diesen neuen Plan. „München braucht keine selbst ernannte Werbepolizei, um private Unternehmen zu belehren und zu zensieren“, erklärt der Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Manuel Pretzl. Die Rathaus-Regierung setze in der gerade stattfindenden größten Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg völlig falsche Prioritäten und habe offenbar den Bezug zur Realität verloren. KLAUS VICK

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