Eine Branche in Umbruch

von Redaktion

VON DANIELA POHL

„Diese Messe zeigt, wie eng Klimafreundlichkeit und Innovationskraft zusammengehören“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestern in der Messestadt Riem. Der Verkehrssektor könne und müsse viel zur Klimaneutralität beitragen, „und wir können viel davon hier in München sehen“.

Inzwischen sei eine Million E-Autos auf den deutschen Straßen unterwegs, der Trend gehe unübersehbar zur E-Mobilität: „Nun haben alle Hersteller alltagstaugliche Elektrofahrzeuge in ihrem Programm“, so Merkel. Das sei bei der letzten IAA in Frankfurt vor zwei Jahren noch anders gewesen.

Die Eröffnung der 69. Internationalen Automobilausstellung (IAA) war einer der letzten Auftritte der Kanzlerin kurz vor dem Ende ihrer 16-jährigen Amtszeit. Es ist Merkels achte Automesse – und die erste für München. Und eine, bei der eine Branche im Wandel zu besichtigen ist.

Die Präsidentin des Branchenverbandes VDA, Hildegard Müller, betonte, die Autobranche stehe „ohne Wenn und Aber“ für das Ziel klimaneutraler Mobilität. Sie stellte aber auch Forderungen an die Politik – mit denen sich dann Merkels Nachfolgerin oder Nachfolger beschäftigen muss. „Schnelles Laden mit Ökostrom ist das A und O für den Wechsel. Ökostrom, von dem immer noch viel zu wenig zur Verfügung steht, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen“, kritisierte Müller. Auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos sei viel zu schleppend: „Hier brauchen wir mehr, viel mehr Tempo – in Deutschland, aber noch mehr in Europa.“

Merkel räumte ein, bei den Ladesäulen „müssen wir noch besser werden“. Das gelte europaweit. Zum fehlenden Ökostrom äußerte sie sich nicht.

VDA-Präsidentin Müller warnte davor, die Unternehmen mit ihren 800 000 Beschäftigten zu überfordern: „Noch höhere Steuern, noch höhere Abgaben, noch höhere Energiekosten sind der falsche Weg, um die Kräfte der Wirtschaft freizusetzen.“

Das Konzept der Münchner IAA ist völlig neu: Nicht nur Autos, sondern auch Zweiräder, Fahrdienste sowie innovative Lösungen auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität werden hier gezeigt. Eine Besonderheit auch: der Dialog mit Umweltgruppen.

Merkel lobte das neue Messekonzept, Mobilität vernetzt zu denken. „Wenn ich mich hier umsehe, bin ich fest überzeugt, dass die Transformation zur Klimaneutralität für unser Land und für unsere Automobilindustrie ein Erfolg wird.“

Auch Ministerpräsident Markus Söder hält den Neuanfang in München für eine gute Wahl: „Es ist ein perfektes Match – die IAA und Bayern.“ Schließlich mache die Automobilindustrie fast 30 Prozent des Umsatzes des Wirtschaft in Bayern aus.

OB Dieter Reiter appellierte gestern an die IAA-Kritiker, ihre Proteste „friedlich im Rahmen unserer demokratischen Gepflogenheiten zu äußern“. Die Macher der Messe haben aus Reiters Sicht die „Zeichen der Zeit“ verstanden. „Sie haben ein neues, ein anderes, ein mutiges Messekonzept entwickelt und gehen hoffentlich neue und innovative Wege.“ In München sei der Pkw-Bestand im Laufe der letzten Jahre ständig gewachsen. „Wir haben augenblicklich in München 747 000 zugelassene Privat-Pkw.“ Demzufolge sei individuelle Mobilität für fast alle Menschen offenbar wichtig und nach wie vor unverzichtbar.

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