Die Bewohner der Ludwigs-/Isarvorstadt lieben ihr Viertel, aber der Lärm stört sie. Bei der Bürgerversammlung waren nächtliche Ruhestörungen, Verkehrslärm und andere missliche Geräusche ein Thema bei vielen Anträgen.
Eine Frau, die seit neun Jahren am Gärtnerplatz lebt, sagte beispielsweise: „Die absolute Rücksichtslosigkeit gegenüber unserem Viertel wird immer schlimmer. Wir Anwohner müssen uns die grundlegendsten Bürgerrechte erkämpfen!“ Feiernde kletterten über Hoftore, pinkelten unverblümt an Mülltonnen und ließen jede Menge Glasflaschen zurück. Der nächtliche Lärm sei jedenfalls oft unerträglich. Sie und andere stünden im regen Kontakt mit der Polizei, die allerdings oft nur im Auto vorbeifahre und selten aussteige, um Ruhestörungen zu klären.
Wo schon einige laute Zeitgenossen zusammensäßen, kämen nachts oft noch betrunkene Gröler hinzu. Von einer deutlichen Verrohung sprach auch eine Bürgerin, die seit 30 Jahren in der Münchner Innenstadt und seit 18 Jahren an der Rothmundstraße wohnt. Von der ehemaligen Ruhe dieses Sträßchens sei nichts mehr übrig. Aus den Schanigärten der Lokale halle es gar zu ihr in den fünften Stock hinauf. Die Gäste würden auch kreuz und quer Einfahrten zuparken und sich außerdem zwischen Autos erleichtern, wie sie von oben genau beobachtet hat.
Ihr Antrag auf mehr Polizeikontrollen zum Schutz der Anwohner fand eine deutliche Mehrheit. Auch an der Tumblinger- und Maistraße beklagte eine Frau einen „Münchner Ballermann“ plus dem ständigen Kommen und Wegfahren von Autos und Motorrädern. Müll, Scherben und Essensreste seien auch an anderen Stellen, wie dem Stephansplatz, nervig, hässlich und teilweise gesundheitsgefährdend – lockten sie doch Ungeziefer an. Oft werde zudem noch mit Autos gerast, wie auf der Schillerstraße. Auch die Viehtransporte zum Schlachthof wurden beklagt.
Eine ganz andere Lärmquelle macht einem Herrn aus der Schwanthalerstraße zu schaffen: „Werktags um 4 Uhr werde ich von den städtischen Kehrmaschinen geweckt. Das ist Lärm-Stress zu unchristlichen Zeiten und dauert so lange, dass ich nicht mehr einschlafen kann.“ BETTINA ULRICHS