München – Hunderte Menschen strömten am Mittwoch in Richtung Messe. Einer davon: Wirtschaftsminister Robert Habeck. Zur Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse (IHM) schlenderte der Grünenpolitiker unter anderem mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) über das Gelände. Er nahm in einem Ruderboot Platz, versuchte sich an einer Drechselmaschine, posierte mit Handwerkernachwuchs. Darum ging es für Habeck dann bei seinem Besuch auch vor allem: den stetig zunehmenden Fachkräftemangel.
Nach Schätzung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks fehlen mittlerweile bundesweit 250 000 Fachkräfte. So ist auch eine gesamte Messehalle dazu da, Nachwuchs zu gewinnen. Insgesamt zeigen 650 Aussteller noch bis Sonntag die verschiedenen Facetten des Handwerks. Unsere Zeitung hat sich am ersten Messetag umgeschaut.
In einer der Hallen geht es um Raumfahrt – und gleichzeitig um Hausbau. Denn künftig könnte Raumfahrttechnik in der eigenen Immobilie verbaut sein. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) forsche seit etwa 20 Jahren an sogenannten Aerogelen, sagte Pascal Vöpel vom DLR. Sie gehören zu den leichtesten Feststoffen der Welt und werden unter anderem zur Isolierung von Raumfahrtkapseln beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verwendet. Oder eben als Baustoff: „Aerogel-Beton ist so isolierend, dass man keine Dämmung mehr braucht“, erklärte der Experte.
Weniger Physik, dafür mindestens genauso viel Herzblut steckt hinter der Idee von Matthias Jäckle. Seit mehr als 50 Jahren spielt der Haimhauser Gitarre. Für die Bandproben musste er aber immer das sperrige Instrument mitnehmen. Also entwickelte der IT-Planer eine portable Gitarre. Zerlegt passt die „Six To Go“ nun in jeden Rucksack, zusammengesteckt müsse man sie nur „ein bisschen nachstimmen. Dann ist sie einsatzbereit.“ Jäckle produziert die Gitarre zum Mitnehmen auf Bestellung und nach Wunsch der Kunden. Preis: ab 800 Euro.
Künstlerisch geht es auch bei Bernhard Schmid zu. Aus Bäumen schnitzt, bohrt, schleift und fräst er Holz-Skulpturen. Eines seiner Kunstwerke entstand, als Schmid inmitten von Streuobstwiesen auf zwei Zwetschgenbäume stieß. Die Eigentümer überließen dem Künstler die Bäume. Ein Jahr später war die Skulptur fertig.
Am Stand von „Drillo“ dreht sich schließlich alles um klassisches Heimwerken. Das Unternehmen stellt Bohrschablonen und Aufsätze her. Wenn am Kleiderschrank ein Bohrloch ausgerissen ist, kann man es damit wiederherstellen. Das funktioniert beim Ikea-Kasten – oder eben auch beim Schrank vom Handwerksbetrieb. VON SOPHIA OBERHUBER