Als Vermieter in München menschlich zu bleiben: Das ist schwierig, selbst wenn man’s unbedingt will. Unter anderem liegt das an den irren Wertsteigerungen der Häuser. Wer in der Stadt ein Mehrfamilienhaus erbt, hat es oft mit zweistelligen Millionenbeträgen zu tun, für die sogar leibliche Kinder zwischen 19 und 30 Prozent Erbschaftssteuer zahlen müssen. Kaum jemand hat so viel flüssig. Oft haben Erben deshalb keine andere Wahl, als das Haus zu verkaufen – an Investoren, die dann mit Maximalgewinn vermieten. Doch aus der Erbschaftsfalle gibt es einen Ausweg: die Stiftung Daheim im Viertel. Ihr überlässt nun auch Schauspieler Wolfgang Fischer (81) seine Immobilie. Nach seinem Tod hat die Stiftung das Ankaufsrecht, damit seine Erben nicht zum Verkauf gezwungen sind. „So sind meine Mieter sicher“, sagt Fischer.
Eigentlich hatte der inzwischen schon bekannte „Fairmieter“ eine jahrzehntelange Abmachung mit der Genossenschaft Wogeno. Die sollte nach seinem Tod sein Haus und den Grund in Neuhauser Bestlage erwerben, und zwar für gut zwei Millionen Euro, „denn meine Nichten und Neffen sollen nicht leer ausgehen“. Doch dann kam die Schocknachricht: „Die Wogeno teilte mir mit, dass sie unsere Abmachung nicht mehr einhalten kann. Der Verkehrswert für meine Immobilie ist in den letzten 20 Jahren von 1,2 auf 16 Millionen Euro gestiegen, hieß es, und dass man dafür selbst als Genossenschaft die Erbschaftsteuer nicht mehr bezahlen kann.“
Fischer war verzweifelt. Denn ihm ist wichtig, dass sein Vaterhaus, das stets in Familienbesitz war, nicht an Spekulanten fällt. Und er sorgt sich um seine Mieter. Die zahlen für ihre Wohnungen faire zwölf bis 13 Euro pro Quadratmeter. Zwei Rückgebäude hat Fischer an einen Verlag sowie einen Schreiner vermietet. Letzterer bekommt seine 300-Quadratmeter-Werkstatt für monatlich 1200 Euro. Während der Pandemie hat Fischer den beiden Betrieben die Hälfte der Miete erlassen, denn „das war doch klar, dass es denen nicht gut geht“. Er stellt fest: „Solche Hinterhofwerkstätten gibt es kaum mehr, weil Investoren das nicht schick finden. Aber ich will das erhalten. Und ich möchte menschlich bleiben. Wenn in München jeder 3000 Euro Miete zahlt, ja was haben wir denn dann hier für Leute?“
Sein Berater bei der Wogeno schlug ihm die Lösung vor. Die Stiftung Daheim im Viertel, die nicht nur den Nachbarschaftspreis verleiht, wurde erst vor eineinhalb Jahren gegründet – von der Agentur Gima. In dieser haben sich 35 Wohnungsgenossenschaften und sozial orientierte Wohnbauunternehmen mit insgesamt 40 000 Apartments zusammengeschlossen, um ihren Mietern bezahlbare Preise und solide Verhältnisse zu sichern. „Die Stiftung ist von der Erbschaft- und Schenkungsteuer ausgenommen“, erklärt Fischer, „somit kann sie nach meinem Tod meine Immobilie ankaufen, den Kaufpreis bekommen meine Nichten und Neffen. Und meine Mieter zahlen die Mietein Zukunft dann an Daheim im Viertel.“
Gleichzeitig sichert die Stiftung zu, dass das Haus nicht verkauft wird und die Mieten nur so weit steigen, wie die Lebenshaltungskosten und das Mieter-Einkommen es zulassen. Dies waren Fischers Auflagen. Damit das Leben in München wenigstens hier bezahlbar bleibt.