Public Irrsinn am Kapuzinerplatz

von Redaktion

Biergarten-Wirt muss die Spiele der Europameisterschaft ohne Ton zeigen

Heute Abend Deutschland gegen Spanien. Viertelfinale der EM. Und endlich wieder ein Stück Normalität für den Paulaner am Kapuzinerplatz. Denn: Wenn Wirt Hermann Zimmerer (63) das Spiel in seinem Biergarten überträgt, darf dieses Mal auch Ton dazu laufen. Alle anderen EM-Spiele darf Zimmerer nur in totaler Stille zeigen. Ohne Atmosphäre, ohne Kommentar. Selbst bei Spielen um 18 Uhr. Zum Schutz der Anwohner. Public Irrsinn!

Fußballschauen – heimlich, still und leise: Laut Zimmerer stammt diese Regel aus dem Jahr 2016. Auch damals gab’s eine Europameisterschaft. Das Kreisverwaltungsreferat erteilte Zimmerer schriftlich eine Erlaubnis fürs Public Viewing (liegt unserer Zeitung vor) – mit einschneidenden Regelungen: Vorrundenspiele nur ohne Ton, bis auf Deutschlandspiele. Auch die K.o.-Spiele mussten still über die Bühne gehen, außer die mit deutscher Beteiligung. Nur das Finale durfte bei jeder Paarung mit Ton laufen.

Der Grund für das kuriose Ton-Verbot: Eine Anwohnerin hatte sich öfters bei der Stadt über die Lautstärke bei den Spielen beschwert. Auf Anfrage bestätigt ein KVR-Sprecher: „Bei der getroffenen Regelung für die Gaststätte Paulaner am Kapuzinerplatz handelt es sich um eine Einzelfallentscheidung, die aufgrund einer immissionsschutzrechtlichen Prüfung durch das Referat für Klimaschutz und Umwelt erfolgt ist und seitens des Kreisverwaltungsreferates entsprechend begleitet wurde.“

Die Stillhaltevereinbarung ist also ein Kompromiss: Der Ton darf erst ab den Hymnen eingeschaltet werden – in der Halbzeitpause muss er wieder aus sein. Auch nach Abpfiff gilt: psst. Keine Nachberichterstattung. Zimmerer weist auf der Homepage seine Gäste auf die Regeln hin. „Manche stören sich daran“, sagt er. „Andere lassen den Ton über ihr Handy am Tisch laufen.“

Die Schweige-Spiele nimmt der Wirt zähneknirschend hin: „Eigentlich bestimmen die Anwohner, ob wir mit oder Ton Spiele zeigen dürfen. Aber was sollen wir machen? Wir wollen sie ja zeigen.“ Was ihn auch nervt: „Bei anderen gibt’s das nicht, manche habe sogar einen DJ vor und nach dem Spiel.“ In seinem anderen Lokal, dem Straubinger an der Blumenstraße, könne er die Spiele ganz normal zeigen. „Da gibt’s auch keine Beschwerden.“

Immerhin: „Jubeln dürfen die Leute schon noch.“ Außer ein Tor fällt zu spät und sie tun‘s nach 22 Uhr. „Dann müssen wir die Gäste ermahnen, nicht zu laut zu sein.“ THOMAS GAUTIER

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