MÜNCHNER FREIHEIT

Der mit dem Bison kickt

von Redaktion

Nicht alles, was nach Einbruch der Dunkelheit in einem Tierpark geschieht, ist zoologisch. Manches ist sogar ausgesprochen unlogisch beziehungsweise unwahrscheinlich. Immerhin: wenn es glimpflich ausgeht, kann es urkomisch sein. Oder, um im Bild zu bleiben, saukomisch. Zum Beispiel die Geschichte von dem Betrunkenen, dem beim Versuch, im längst geschlossenen, menschenleeren Zoo Steine vom Weg zu kicken, der Schuh vom Fuß flog. Als er das gute Stück zurückholen wollte, fand sich der Ärmste unversehens im Bisongehege wieder.

Eine Story wie aus einem Slapstick-Film, dachte ich mir, als ich am Dienstag diese Geschichte las. Oder Stoff für meine nächste Glosse, bevor mein geschätzter Münchner-Freiheits-Kollege und Regisseur Matthias Kiefersauer daraus am Ende noch ein hinreißend komisches Drehbuch macht.

Anleihen bei der ganz großen Filmliteratur drängen sich auf. In Anlehnung an Kevin Kostners Epos „Der mit dem Wolf tanzt“, könnte das Werk „Der mit dem Bison kickt“ heißen. Allerdings nicht „like Beckham“, denn bei dem flog immer nur der Ball und nie der Schuh.

Letzterer dürfte auch die Bisons verblüfft haben. Bälle als Spielzeug kennen und lieben sie ja. Aber was da plötzlich vom Nachthimmel fiel, war neu. Ob sie es wohl für den Schuh des Manitu gehalten haben?

Wir werden es nie erfahren. Als gesichert dürfen wir dagegen annehmen, dass der nächtliche Besucher sich nach der ernüchternden Erkenntnis, in welche Lage er sich da manövriert hatte, nicht heldenhaft wie Buffalo Bill fühlte. Vor ihm lag schließlich kein „weites Land“, in dem er wie weiland Gregory Peck den Bisons und anderen Gefahren hätte aus dem Weg gehen können, sondern ein überschaubares Gehege, das er nun mit den gottlob friedlichen Kolossen teilte. Zum Glück hilft die Münchner Polizei in allen Lebenslagen. und das nicht nur in diversen TV-Serien. Der Büffel-Besucher wider Willen zückte sein Handy, wählte den Notruf und wurde gerettet.

Zur Nachahmung ist das nächtliche Abenteuer nicht zu empfehlen. Viele Hellabrunner Bewohner dürfen selbst wählen, ob sie laue Nächte im Haus oder im Freigehege verbringen. Der Auer Mühlbach hätte schnell zum Fluss ohne Wiederkehr werden können, hätte sich der nächtliche Gast ins Löwengehege verirrt. Von Max und Benni als unerwarteter, aber willkommener Mitternachtssnack freudig begrüßt, wären seine Überreste schon am nächsten Morgen vom Winde verweht. Deshalb sei hier noch einmal darauf hingewiesen: Nach Ende der Öffnungszeiten haben Besucher in den weitläufigen Anlagen des Tierparks Hellabrunn nichts verloren. Da gehört der Münchner Zoo den Tieren. Ist doch logisch. Um nicht zu sagen: zoologisch.