Sehen sich bald vor Gericht: Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Christian Scharpf (rechts) und Alexander Egger von der Münchner Stubn (rechts). © markus Götzfried, michaela Stache
Heiß begehrt: die Wiesn-Festzelte. © Achim Schmidt
Schicksalstag 11. September! An diesem Datum findet eine Verhandlung vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht statt. Auf der Tagesordnung: Nichts anderes als die Zukunft des Oktoberfests.
Das Gericht teilte den Termin gestern mit. Da geht es in einer mündlichen Verhandlung um die Klage von Wiesn-Rebell Alexander Egger (Wirt der Münchner Stubn). Er hatte gegen die Vergabe der Zelte auf dem Oktoberfest geklagt (wir berichteten). Damit findet der Wiesn-Showdown quasi eine Woche vorm Wiesn-Anstich am 19. September statt. Dann trifft Egger auf Vertreter der Stadt München sowie auf seine Kollegen Christian Schottenhamel (Schottenhamel-Festhalle) und Lorenz Stiftl (Paulaner-Festzelt). Egger hatte sich in seiner Klage konkret auf ihre Zelte bezogen.
Kurios: Die Verhandlung findet im hochmodernen Hochsicherheits-Gerichtssaal unter der Justizvollzugsanstalt Stadelheim statt – in einem bunkerähnlichen Bau fünf Meter unter der Erde. Passt zur unterirdischen Stimmung unter den Prozessbeteiligten. Eggers Anwalt Benno Ziegler wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Münchens Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD) ebenso wenig.
Alexander Egger hatte sich auf ein großes Wiesnzelt beworben, hatte aber keins bekommen. Also klagte er gegen die Vergabepraxis der Stadt. Er ist der Meinung, dass die Zelte auf dem Oktoberfest wegen der hohen Summen, um die es geht, EU-weit ausgeschrieben werden müssen. Bis jetzt legt das die Stadt fest.
Dass es am 11. September schon zu einem Urteil in der Sache kommt, gilt allerdings als unwahrscheinlich. Juristen gehen eher von mehreren Monaten Verfahrensdauer aus. Der Fall könnte außerdem noch dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt werden. Dann könnte es sogar Jahre bis zu einer Entscheidung dauern.THOMAS GAUTIER