INTERVIEW
Der Rockstar der Blasmusik
Kult-Virtuose Josef Menzl: Wenn seine Kapelle spielt, tobt die Menge
Der 22-jährige Josef Menzel am Saxofon.
Besondere Einlage: Die Lisl-Wirte geben mit Traudi Siferlinger und der Kapelle Josef Menzl ein Ständchen zum Besten.
Auftritt auf der Oidn Wiesn: Josef Menzl an der Klarinette. © Achim Schmidt (3)
Vom Feuerwehrfest nach Straubing bis auf die Wiesn: Die Kapelle Josef Menzl feierte zuletzt 30-jähriges Bestehen. Josef Menzl – Baujahr 1973, 1,94 Meter, Schuhgröße 47 – ist Kopf der Truppe. An sieben Abenden heizt sie heuer der Schützenlisl auf der Oidn Wiesn ein. Im Interview spricht der Blasmusiker über kuriose Tracht, Show-Manöver – und Eigenheiten der „großen“ Wiesn.
Zum Gäubodenfest kommt ganz Straubing: Nach der Erntezeit machen die Betriebe Ferien und rücken geschlossen aus. Hauptunterschied ist für mich also das Publikum. Die Wiesn ist internationaler. Man kann über sie sagen, was man mag: Sie ist ein sehr traditionelles Festl. Nicht nur das, was die Influencer zeigen. Da gibt’s Vereine, Umzüge und Details, wie dass die Fischer-Vroni den Steckerlfisch noch über Glutkuhlen am Boden brät. Und wer sucht, findet sogar sehr gute Blasmusik: Die Niederalmer im Schützenzelt sind ein Genuss!
Je öfter ich da bin, desto mehr sehe ich, dass die Wiesn auch ein großes Zusammenkommen ist. Wie manche rumlaufen, blende ich aus. Letztens hat einer seinen Träger verkehrt rum getragen! Mei, die Leute wollen dazugehören, und es ist ja schön, dass Tracht wieder Mode ist! Ich trage meinen Stetson-Cowboyhut aus den USA ja ebenso gerne wie ein Preiß oder Tourist Lederhosen. Leben und leben lassen.
Was passiert, passiert. Einiges ist aber vorab abgesprochen: Ich bin voriges Jahr mal auf einen Kontrabass geklettert. Genau wie in meiner Jugend, nur jetzt in Tracht! Aber die Liedfolge ist nie fix, das ist Gusto! Wir haben 300 Nummern, spielen aber spontan auch mal einen Schlager an.
Dürfen? Des is mir wurscht! Wir sind Blasmusiker, können aber auch eine bayerische Rockband sein! Ich hab Stagediving erstmals 2017 auf der Brass Wiesn probiert: Da tobten gut 3000 Leute. Sie waren so on fire, dass mein Bruder Sebastian sagte: ‚Wenn du das mal machen magst, dann jetzt.‘ Vorher hat das kein Blasmusiker je gemacht, glaub ich. Für die Gaudi muss die Menge aber parat sein: Manche legen ihr Handy ja lieber nicht weg. Gefallen bin ich nie, aber voriges Jahr auf der Oidn Wiesn war’s knapp. Dafür hatten wir heuer Premiere auf dem Rosenheimer Herbstfest. Von einem Fassl auf der Bühne im Flötzinger-Zelt bin ich mal wieder gesprungen. Verrückt!
Letztens zeigte mir eine Frau ihren Unterarm: Da war das Menzl-M tätowiert, mit Teufelsschwanz. Das Logo haben wir jetzt auf Aufkleber gesetzt. Uns freut der Zuspruch! Dieser Funke springt nur über, wenn die Energie in der Band stimmt.
„Schau hi, da liegt a toter Fisch im Wasser“, „Aus Böhmen kommt die Musik“ und „Heit is mei Alte g‘storbn“.
Dieses Lied ist Ironie, für einige Leute ist das vielleicht befremdlich. Aber es stammt aus der Zeit, in der man lange unglücklich zusammen leben musste und sich nicht scheiden lassen konnte. Von diesem Gefühl haben schon die Kern Buam gesungen. Bei uns feiern dazu heute auch Frauen. Tobt die Menge, kannst du „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ spielen und alle machen mit!
Da steht grad genug Schmarrn drauf. Wir wollen mit bayerischer Musik Stimmung machen. Am Sonntag hat die Kapelle „Sarà perché ti amo“ kurz angespielt. Das gestatte ich, wenn’s grad lustig is und basst.
Wir teilen unsere Bühne selten. Hier ist das Teil des Konzepts: Die Traudi werkelt den ganzen Tag, und alle verstehen ihr Handwerk. Mit jemandem, der das nicht tut, würde ich die Bühne nie teilen. Außerdem muss man sich erst mal kennenlernen. Wir können jeden begleiten, uns wiederum nicht jeder. Blasmusik ist komplex. Wir brauchen keine Schiller-Gestalten. Können imponiert, das große Mundwerk haben wir selbst. Ich erfülle mir 2027 den Traum, mit dem Trompeter Thomas Gansch aufzutreten. Wir haben den gleichen Humor – und der steckt uns handwerklich alle in die Tasche.
Lorenz Stifl hätte uns mit ins Paulaner-Zelt genommen. Ich will aber ein Konzert geben und kein Dienstleister sein. Schon klar, das sind wir im Bierzelt wie auf der Hochzeit. Aber ich will nicht nur spielen, damit die Masse säuft und Umsatz generiert wird. Hätte ich angenommen, hätte ich Sängerinnen, Keyboard und E-Bass integriert. Aber für sowas gibt‘s schon ganz tolle Bands mit Wiesn-Erfahrung. Ich will spielen – und nicht nur als Organisator am Schreibtisch sitzen.