ePaper-Meldung

Liebe Abonnentinnen und Abonnenten,
Wegen Wartungsarbeiten an unserem Anmeldesystem haben wir das ePaper vorübergehend freigeschaltet.
Alle OVB-Lokalausgaben können Sie derzeit ohne Anmeldung lesen.

Israel-Hass in der Ratsboxe

Linken-Tisch: Hetze, Stinkefinger und Watschn für FDP-Stadtrat

Der Tisch mit dem Wassermelonen-Zeichen.

Stadtrat Jörg Hoffmann (FDP) wurde attackiert.

Stadtrat Stefan Jagel (Linke) entschuldigte sich.

Frauen am Linksjugend-Tisch mit Palästinenser-Tüchern. © privat (2)

Auf dem Balkon des Schottenhamel-Zelts hat die Politik Pause – eigentlich sollen alle Stadtratsfraktionen in der Ratsboxe gemeinsam Bier, Brezn und grandiose Stimmung genießen. Doch kürzlich kam es dort zum Streit zwischen Linken und FDP – zum handfesten sogar, wie unsere Zeitung erfuhr.

An einem Tisch saßen am vergangenen Freitag Mitglieder der Linksjugend. Gleich daneben: Stadträte der FDP-Fraktion im Rathaus. Fotos zeigen: Die jungen Linken machten aus dem Wiesn-Besuch ein anti-israelisches Happening: Auf dem Tisch liegt eine „Linke“-Flagge ausgebreitet, dazu ein Plakat mit einer Wassermelone – das Symbol mit den Palästina-Farben ist das Erkennungszeichen der Israel-Hasser.

Dabei blieb es nicht, sagt FDP-Fraktionschef Jörg Hoffmann auf Anfrage: „Sie haben am Tisch extrem politische Propaganda betrieben. Die Gäste trugen auch fast alle Palästinenser-Tücher und wedelten oft damit.“

FDP-Stadträtin und Ex-„Bunte“-Chefin Patricia Riekel ergänzt: „Sie sangen die Internationale und riefen ‚Free Palästina‘. Sie waren sehr laut.“ Laut Hoffmann sangen die jungen Linken auch „Free Palestine“ zum Refrain des Wiesn-Hits „Sweet Caroline“.

Israel-Hass in der Ratsboxe! Für Jörg Hoffmann, der sich stark gegen Antisemitismus engagiert, inakzeptabel: „Das alles hat einige an unserem Tisch sehr gestört. Nicht nur inhaltlich – wir sind der Meinung, dass solche politische Propaganda nichts in der Ratsboxe verloren hat. Dort soll es darum gehen, dass alle politischen Meinungen zusammenkommen. Deshalb ist so etwas da oben eigentlich tabu.“ Er sei hinübergegangen – „und habe sie gebeten, das zu unterlassen. Daraufhin sagte ein Mann zu mir: ,Du hast hier gar nichts zu sagen.‘“

Hoffmann habe die Störer daraufhin im Zelt-Büro gemeldet. „Die Security hat die Leute an dem Tisch dann hinausgeschmissen“, sagt er. „Kurz danach kamen weitere Linke zum Tisch – und sahen, dass der leer war. Sie haben wohl erraten, dass das an mir lag. Da haben sich drei Frauen vor mir aufgebaut und haben mich wüst beschimpft – als Völkermörder, und dass ich den Genozid unterstütze.“

Dann der Knall: „Am Ende hat mir eine Dame eine Watschn verpasst“, sagt Hoffmann. Seine Stadtrats-Kollegin Patricia Riekel habe die Ohrfeige auch mitbekommen, sagt sie: „Zwei junge Frauen packten Herrn Hoffmann am Jackett, gingen ganz nah an ihn ran“, sagt sie. „Dabei kam es auch zur Ohrfeige. Ich habe ein lautes Klatschen gehört. Danach gingen sie und zeigten uns allen den Stinkefinger.“

Die linken Wiesn-Gäste waren für eine Anfrage nicht zu erreichen. Sie hatten den Tisch von der Linken-Fraktion im Stadtrat an dem Abend übernommen – ein normaler Vorgang, auch andere Parteien überlassen Plätze an ihre Mitglieder oder Mitarbeiter. Linke-Fraktionschef Stefan Jagel sagt auf Anfrage: „Was mir geschildert wurde, ist ein No-Go. Es ist mir super peinlich. Ich habe mich sofort dafür bei Herrn Hoffmann entschuldigt.“ Die Watschn-Frau sei kein Mitglied der Linken oder der Linksjugend gewesen, sagt Jagel: „Sie war eine Freundin eines Mitglieds und zufällig am Tisch mit dabei.“

Dennoch werde der Vorfall „Konsequenzen haben“, verspricht Jagel: „Die betreffenden Kollegen werden keinen Tisch mehr über unsere Fraktion bekommen. Der Vorfall wird auch auf unserer Kreisvorstandssitzung besprochen werden – und ich habe selbst noch ein Gespräch mit der Dame persönlich.“

Jörg Hoffmann hat nach der Ohrfeige keine Anzeige gestellt – ruhen lassen will er den Watschn-Eklat aber nicht: „Der Vorgang ist ungeheuerlich. Ich werde das im Ältestenrat noch einmal ansprechen.“ Auch die CSU fordert ein Nachspiel. Fraktionschef Manuel Pretzl: „Ich bin entsetzt über die Vorfälle in der Ratsboxe. Wir werden dazu umgehend eine offizielle Stadtratsanfrage stellen, um klarzumachen: Hass, Extremismus und Antisemitismus werden weder auf der Wiesn noch im Münchner Rathaus geduldet.“THOMAS GAUTIER, SASCHA KAROWSKI

Artikel 51 von 166
Freitag, 2. Oktober 2026
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie das OVB ePaper in Top-Qualität und testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos und unverbindlich.