Enthüllungsbuch löst Politisches Beben in den USA aus

Bannon wirft Trump-Team Landesverrat vor

von Redaktion

Von Friedemann Diederichs

Washington – Es ist ein beispielloser Krieg der Worte, den US-Präsident Donald Trump und sein von ihm entlassener Chefstratege Stephen Bannon derzeit öffentlich führen. Bannon attackiert die Trump-Familie in Aussagen in einem kurz vor der Veröffentlichung stehenden Buch, prophezeit Ermittlungen wegen Geldwäsche und nennt ein Treffen von Trump-Sohn Donald junior und Schwiegersohn Jared Kushner mit einer russischen Anwältin im Trump-Tower „landesverräterisch“.

Der Präsident schießt wütend zurück: Er behauptet sogar, Bannon habe den Verstand verloren – und lässt durch seine Anwälte eine Unterlassungserklärung für die Behauptungen des früheren Vertrauten fordern.

Seit Bekanntwerden der für ihn hochnotpeinlichen Details versucht Trump die Rolle Bannons zu minimieren. Er sei nur ein Mitarbeiter gewesen, beteuert Trump-Pressesprecherin Sarah Sanders, der „wenig mit unserem historischen Sieg zu tun hatte“ und kaum Einfluss auf die Politik Trumps gehabt habe. Doch die Realität sieht ganz anders aus: Der als rechtspopulistisch geltende Bannon war nicht nur Chefberater mit unbegrenztem Zugang zum „Oval Office“, sondern gilt auch als „Architekt“ des Wahlsiegs des Präsidenten im vergangenen Jahr – und saß zeitweise immerhin im Nationalen Sicherheitsrat. Bannon war eine zentrale Figur im Weißen Haus und deshalb auch über so gut wie alle Details der Arbeit Trumps informiert – was für den Präsidenten höchst gefährlich werden könnte. Auch deshalb setzt Trump jetzt seine Anwälte in Marsch – und lässt mitteilen, Bannon habe mit seinen jüngsten Aussagen eine schriftliche Vertraulichkeitsverpflichtung verletzt. Seine Anwälte wollen die Veröffentlichung des Buches verhindern.

Die Angaben Bannons gegenüber dem prominenten Buchautor Michael Wolff („Feuer und Zorn“) haben es in sich. Denn Bannon sagt nicht nur, dass es in der Regierungszentrale chaotisch zugeht. Er deutet auch indirekt an, dass es den Versuch geheimer Absprachen des Trump-Teams mit Russland gegeben hat. Er bezieht sich dabei vor allem auf ein Treffen von Trump-Sohn Donald jr. im Juni 2016 mit einer russischen Anwältin, von der sich das Trump-Team offenbar „Schmutz“ über Hillary Clinton versprochen hatte. Dieses Treffen war „Verrat, unpatriotisch und übler Mist“ gewesen, wird Bannon zitiert. Anwesend waren auch Trump-Schwiegersohn Jared Kushner, der den Präsidenten heute berät, und der mittlerweile von Trump gefeuerte und von Justiz-Sonderermittler Robert Mueller wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten angeklagte Wahlkampfmanager Paul Manafort.

Jemand hätte angesichts dieses Treffens sofort das FBI rufen sollen, sagt Bannon heute. Und: Die Russen im Trump-Tower hätten wahrscheinlich auch Trump selbst getroffen.

Doch das ist nicht alles. Bannon prophezeit Ermittlungen gegen Trump-Sohn Donald und Schwiegersohn Jared Kushner wegen Geldwäsche. Dabei soll die Deutsche Bank eine zentrale Rolle spielen, bei der Sonderermittler Mueller mittlerweile Unterlagen angefordert hat. Die Bank hatte Kushner mehrere hundert Millionen Dollar für Immobilien-Deals geliehen. „Die Kushner-Scheiße ist schmierig“, sagt Bannon beispielsweise über Geschäfte des Trump-Schwiegersohns. Offenbar geht es um undurchsichtige und anrüchige Transaktionen im Trump-Imperium. Dies hat deshalb große Bedeutung, weil Mueller versuchen dürfte, mit seinen Geldwäsche-Ermittlungen Druck auszuüben, um strafbare Erkenntnisse zum eigentlichen Kern der Untersuchungen – der Frage der Kooperation Trumps mit Moskau bei den Wahlen 2016 – zu gewinnen.

Der Autor Wolff stützt sich in seinem Enthüllungsbuch nicht nur auf Bannon, der mit ihm kooperiert und sich damit gegen seinen früheren Chef in Stellung gebracht hat. Das Weiße Haus gab Wolff offenbar auch weitreichend unüberwachten Zugang, sodass dieser mit engsten Mitarbeitern des Präsidenten reden konnte. Deshalb kommt es auch zu zahlreichen spektakulären Aussagen. Ein Beispiel: Trump habe nie Präsident werden wollen, sondern mit der Kandidatur nur seine Geschäfte ankurbeln wollen. Als sein Sieg am Wahlabend feststand, sei er bleich gewesen, und seine Frau Melania habe geweint. Dies habe Donald jr. Freunden anvertraut. Oder: Trump sei disziplinlos und realitätsfern, und seine Berater machten sich über ihn oft lustig und hielten ihn für amtsunfähig. Und: Trump-Tochter Ivanka – die Bannon als „dumm wie ein Ziegelstein“ bezeichnet – wolle eines Tages für das Präsidentenamt kandidieren, wenn sich die Möglichkeit biete. Es sind Aussagen, die bei Trump offenbar einen Nerv getroffen haben.

Nicht nur, dass seine Anwälte nun aktiv geworden sind. Seine Sprecherin wies die Buch-Behauptungen auch als „falsch und irreführend“ zurück – sie seien nicht mehr als „schmutzige Boulevard-Fiktion“.

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