Eskalation in Trumps Medienkrieg

von Redaktion

Nach der Kongresswahl in den USA hat Präsident Donald Trump in einem Rundumschlag seinen Justizminister Jeff Sessions rausgeworfen und sich in beispielloser Art und Weise mit den Medien angelegt. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus trieb Trump seine Attacken gegen kritische Medien auf die Spitze.

VON FRIEDEMANN DIEDERICHS

Washington – Seit Mittwochabend ist Jim Acosta, der Chef-Korrespondent des liberalen Senders CNN für das Weiße Haus, eine dort unerwünschte Person. Beamte des Secret Service hätten ihm seinen Pressepass abgenommen und des Grundstücks verwiesen, berichtete Acosta, nachdem er eigentlich vom Präsidentensitz berichten wollte. Wie lange der Bann gilt, sei ihm nicht mitgeteilt worden. Vorausgegangen war – für ein Millionenpublikum sichtbar – eine Eskalation in Donald Trumps Krieg mit den Medien, wobei über wichtige Details heftig diskutiert wird: Ist Acosta gegenüber einer jungen Mitabeiterin des Präsidenten, die ihm bei der Pressekonferenz im East Room das Mikrofon abnehmen wollte, kurz handgreiflich geworden? Oder wurde ein entsprechendes, vom Weißen Haus ins Netz gestelltes Video manipuliert, damit der Anschein einer solchen Intervention des CNN-Korrespondenten erweckt wird?

Der Vorfall hat sich bei einer denkwürdigen Pressekonferenz Trumps zum Wahlausgang zugetragen, die aufgrund ihrer Turbulenz und der Attacken des Präsidenten auf Acosta und andere Medienvertreter in die Geschichte eingehen dürfte. Obwohl Reporter auf diesen Terminen üblicherweise nur ein bis zwei Fragen bekommen, wenn sie aufgerufen werden, hatte Acosta Trump gegen dessen Willen weitere Fragen stellen wollen und sich zunächst geweigert, das Mikrofon an andere Korrespondenten weiterzugeben.

Als eine junge Mitarbeiterin des Weißen Hauses, die für den Transport des Mikrofons zuständig ist, dieses aus Acostas Hand nehmen wollte, machte dieser eine Abwehrbewegung. Dies wurde dann als Anlass für den Entzug des Pressepasses genommen. Sarah Sanders, die Sprecherin des Präsidenten, hatte kurz nach dem Vorfall ein offenbar bearbeitetes Video gepostet, auf dem die Abwehrbewegung des CNN-Berichterstatters mit etwas höherer Geschwindigkeit zu sehen ist und deshalb einer Hack-Bewegung ähnelt.

Einige Kommentatoren in sozialen Medien sprachen daraufhin sogar von einem „karateähnlichen“ Schlag Acostas, obwohl diese Bewertung nicht gerechtfertigt scheint.

Das von Sanders auf Twitter verbreitete Video stammt allerdings nicht vom Weißen Haus selbst. Sanders oder ihr Team haben es vermutlich aus anderer Quelle. Der Aktivist und Trump-Anhänger Paul Joseph Watson behauptet, die Videosequenz mit einem Schnittprogramm erstellt und dabei die Zoomfunktion verwendet zu haben.

Acosta mußte sich, unmittelbar nachdem er wieder Platz genommen hatte, massive Vorwürfe Trumps gefallen lassen, der zuletzt die Medien als „Feind des Volkes“ bezeichnet hatte. „Sie sind eine furchtbare unverschämte Person“, so der Präsident während der 87-minütigen Live-Pressekonferenz.

Trump hat wie seine Vorgänger bei Pressekonferenzen das Hausrecht, und Berichterstatter folgen in der Regel den Anweisungen und halten sich auch an die Zahl der zugestandenen Fragen, um anwesende Kollegen nicht zu benachteiligen. Acosta wollte aber noch weitere Fragen zu den laufenden Russland-Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller stellen und ignorierte auch Aufforderungen Trumps, sich hinzusetzen.

Das Weiße Haus begründete den Entzug der Akkreditierung damit, man werde es nicht tolerieren, wenn ein Mann seine Hand auf eine Mitarbeiterin des Weißen Hauses lege, die nur ihren Job machen wolle. Der Sender CNN verteidigte dagegen die Arbeit Acostas und verurteilte die Aussagen Trumps. Die andauernden Angriffe des Präsidenten auf die Presse seien deutlich zu weit gegangen, gefährlich und auch unamerikanisch, hieß es in dem Statement.

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