Revolte gegen Boris Johnson?

Ein Zauderer ist kein Retter

von Redaktion

MARCUS MÄCKLER

Manche dachten schon an seinen Sturz, bevor Boris Johnson überhaupt britischer Premier war. Nun plant Labour-Chef Jeremy Corbyn tatsächlich ein Misstrauensvotum gegen den Brexit-Hardliner, der im Moment anfällig ist, weil seine Regierung nur eine zarte Mehrheit von einem Abgeordneten hat. Der Machtwechsel ist also nicht unmöglich. Aber mit Corbyn an der Spitze?

Der 70-Jährige, selbst ein EU-Skeptiker, hat in der Austritts-Frage lange gezaudert und sich erst auf den letzten Metern zu einer mehr oder weniger klaren Positionierung durchgerungen. Das neue Referendum, das er fordert, ist ihm mit Sicherheit kein Herzensanliegen, sondern Mittel zur Macht. So würde ein Opportunist den anderen ersetzen: Auch Johnson wurde ja bekanntlich erst zum Brexit-Hardliner, als es ihm nützlich erschien. Deshalb ist auch Corbyns Ankündigung, nur für eine Übergangszeit Regierungschef zu bleiben, mit Vorsicht zu genießen. Natürlich würde er bei Neuwahlen kandidieren wollen. Diejenigen, die ihm nun im Parlament beim Misstrauensvotum helfen müssten, wissen das.

Es ehrt den alt-linken Corbyn, dass er einen harten Brexit verhindern will, den die Briten mehrheitlich genauso ablehnen wie das Parlament. Aber er ist schlicht der falsche Mann für ein richtiges Anliegen. Es bräuchte jemanden, der glaubhaft die andere Hälfte der Briten verkörpert, jene knapp 50 Prozent, die gegen den Brexit gestimmt haben. Jeremy ist kein Heilmittel gegen zu viel Boris.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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