Bremen – Noch kann Andreas Bovenschulte ziemlich entspannt durch Bremen schlendern, ohne von vielen erkannt zu werden. Das dürfte sich nun ändern, denn als Regierungschef des Bundeslandes wird der Politiker deutlich präsenter werden, auch in den Medien. Gestern wurde er in der Bürgerschaft der Hansestadt mit 47 zu 35 Stimmen in sein neues Amt gewählt. Damit nimmt auch die rot-grün-rote Koalition ihre Arbeit auf – die bundesweit aufmerksam beobachtet werden dürfte.
Während der vergangenen Jahre war der Zwei-Meter-Mann Bürgermeister von Weyhe, einer niedersächsischen 30 000-Einwohner-Gemeinde bei Bremen. Doch der 54-Jährige kennt auch Bremen, wo er von Mitte 2010 bis Ende 2013 SPD-Landeschef war. Im Mai ging der gebürtige Hildesheimer, der zuvor noch nie im Landesparlament gesessen hatte, für seine Partei als Abgeordnetenkandidat in Bremen ins Rennen. Nach dem Urnengang, bei dem die Bremer SPD das schlechteste Ergebnis ihrer Nachkriegsgeschichte einfuhr, ist er nun der Gewinner der dadurch ausgelösten Personalwechsel.
Bovenschulte ist wie sein Vorgänger Carsten Sieling dem linken Spektrum der SPD zuzuordnen. Beide sind befreundet, lebten vor vielen Jahren mal gemeinsam in einer Wohngemeinschaft. Insofern passt die Personalie zu der historisch ersten rot-grün-roten Koalition in einem westdeutschen Bundesland, die in Bremen nun Formen annimmt. Bovenschulte ist ein Befürworter von öffentlichen Unternehmen und wichtigen Infrastrukturen in staatlicher Hand. Im Wahlkampf etwa warnte er intensiv vor Privatisierungsplänen im Fall einer Regierung mit CDU und FDP.
Zugleich gilt Bovenschulte aber auch als kompromissbereit und pragmatisch, nicht als ein ausschließlich in ideologischen Kategorien denkender Politiker. Als Modell oder gar Vorbild will er die rot-grün-rote Koalition in Bremen nicht verstanden wissen. Zumindest noch nicht. Zuerst soll das Bündnis liefern, dann könne man über Vorbildcharakter sprechen. „Nicht zu hoch hängen“, dämpfte er die Erwartungen.