CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
Kater nach der langen Klima-Nacht: Der Jubel über die Einigung zum Klimaschutz wird sich in sehr engen Grenzen halten. Die Koalition ist eingeklemmt zwischen Maximalpositionen. Wer einen radikalen Wandel fordert, Zwang, Verbote, Steuern, kann in den Maßnahmen nur Klein-Klein sehen. Wer die CO2-Debatte für Hysterie hält, wird jeden Schritt ablehnen. Trotzdem beherzigt die Regierung zwei wichtige Grundsätze: Die Einzelmaßnahmen müssen anpassbar sein, sie müssen regelmäßig überprüft werden. Und, noch wichtiger: Klimaschutz kann nicht gegen Wirtschaft und Wachstum funktionieren, sondern muss zum Innovationstreiber werden.
Die Debatte hat leider so stark polarisiert, dass phasenweise die Vernunft auf der Strecke blieb. Die „Fridays“-Bewegung hat der Politik Beine gemacht – Respekt! Wenn wir ehrlich sind, war aber auch eine Menge Unsinn und Doppelzüngigkeit unter den Begleiterscheinungen: die bizarre Greta-Heiligenverehrung, Bustouren zu Demos, Radikalisierungen am Rande der Öko-Bewegung. Die Politik kann dabei nur einen Teil des Konflikts lösen. Der Staat muss seine Klimaziele so austarieren, dass er den menschengemachten Anteil der Erderwärmung – ja, das ist einer von mehreren Faktoren – merkbar senkt, ohne die Akzeptanz zu verlieren. Und ohne Menschen abzuhängen, für die „ein paar Euro“ sehr viel Geld sind.
Ein wesentlicher Teil beim Klimaschutz lässt sich aber nur individuell erreichen. Da greift die Eigenverantwortung – Mobilität, Kaufverhalten, Investitionen. Wer vom Staat lautstark drastische Schritte einforderte, darf bitte mit besonders gutem Beispiel vorangehen. Das startet mit Allerkleinstem im Alltag und kann zum gesellschaftlichen Umdenken stärker beitragen als jeder Zwang.
Christian.Deutschlaender@ovb.net