Chicago – Mancher spricht bereits von einem Durchbruch im Kampf gegen das neue Coronavirus. Und liefern soll den „Remdesivir“. Ein Wirkstoff, der ursprünglich Ebola-Patienten helfen sollte, mit eher mäßigem Erfolg. Nun aber könnte die Arznei doch noch groß rauskommen – und das ausgerechnet gegen das Virus, das gerade die ganze Welt in Atem hält.
Auslöser der Euphorie sind erste Daten einer Studie, die an der Universitätsklinik Chicago erhoben wurden. Die Uniklinik ist eines von insgesamt 152 Krankenhäusern weltweit, an der „Remdesivir“ derzeit an schwer kranken Corona-Patienten getestet wird. Denn zugelassen ist das Mittel noch nicht. Laut einem Bericht des Online-Portals „STAT News“ für Nachrichten aus der Medizin gibt es aber Grund zur Hoffnung.
Demnach seien bislang 113 Patienten an der Uniklinik von Chicago mit „Remdesivir“ behandelt worden – und das offenbar mit Erfolg. So sei das Fieber fast all dieser Patienten schnell zurückgegangen. Das Gleiche gelte für ihre Atemwegsbeschwerden. Die meisten Behandelten konnten dem Bericht zufolge nach weniger als einer Woche entlassen werden.
Der Medienbericht weckte nicht nur bei Patienten und Angehörigen Hoffnung – sondern auch bei Anlegern. Viele witterten das große Geschäft und deckten sich an der Börse mit Aktien von „Gilead Sciences“ ein – dem US-amerikanischen Unternehmen, das „Remdesivir“ entwickelt hat und nun an Patienten testet. Nach Erscheinen des Medienberichts war der Aktienkurs des Unternehmens bis Börsenschluss um satte 16 Prozent gestiegen.
Dabei gibt man sich bei „Gilead Sciences“ zurückhaltend. Auch an der Uniklinik wollte man keine weiteren Auskünfte geben – mit gutem Grund: Es handele sich um eine laufende Studie, man wolle keine voreiligen Schlüsse ziehen, hieß es. An die ersten Ergebnisse war „STAT News“ offenbar durch ein Datenleck gekommen: Mitarbeiter der Fakultät hatten sich in einer Videokonferenz ausgetauscht – und diese war offenbar aufgezeichnet worden. Eine Kopie davon wurde dem Online-Portal zugespielt.
Darin berichtet Dr. Kathleene Mullane von der Universität in Chicago nicht nur über Erfolge. Sie weist auch auf ein grundsätzliches Problem der Studie hin: Darin fehlt nämlich eine Vergleichsgruppe – Patienten also, die nur mit einem Scheinmedikament ohne Wirkstoff behandelt wurden. Für Studien ist das ein wichtiges Qualitätskriterium.
Tatsächlich gilt das Mittel aber auch unter Experten als besonders Erfolg versprechend. So ist von „Remdesivir“ bereits bekannt, dass dieser Wirkstoff die Vermehrung anderer Coronaviren hemmen kann. Vorsichtig optimistisch stimmen auch Ergebnisse sogenannter Heilversuche, über die kürzlich eine Publikation im Fachjournal „New England Journal of Medicine“ (NEJM) berichtete. Bei zwei Dritteln der mit „Remdesivir“ Behandelten kam es dem „Ärzteblatt“ zufolge zu einer Besserung. Es habe aber auch Todesfälle gegeben, hieß es.