„Söder, der Don Juan de Corona“

von Redaktion

VON MARCUS MÄCKLER

München – Gespenstisch ist es schon. Unten im Saal sitzen die Band und der Chor der JU Miesbach und klatschen ab und an, oben auf der Bühne steht der Mann, der diesen Abend irgendwie zum Erfolg machen soll. Das war’s, mehr nicht. Das einsamste Derblecken aller Zeiten. Aber Maxi Schafroth sieht die Sache positiv. Im letzten Jahr sei der Nockherberg ja geradezu ein „christ-soziales Sodom und Gomorra“ gewesen. Diesmal soll er deshalb „im Zeichen des Verzichts stehen“.

Das ist Realitätsbeschreibung und Untertreibung zugleich. Denn natürlich fehlen sie, die Politiker unten im Festsaal, wie sie Qualen leiden und trotzdem lachen. Andererseits haben sich Schafroth und Co einiges einfallen lassen. Und als der 36-Jährige in der Mönchs-Kutte auf die Bühne stapft, ahnt man schon: Er macht das beste aus der Isolation.

Die Polit-Prominenz ist zwar nicht leibhaftig an wesend, aber dafür zugeschaltet. Ganz am Anfang, da gucken FDP-Fraktionschef Martin Hagen, Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze und Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sprichwörtlich aus der Röhre. Sie ploppen auf alten, kastigen TV-Geräten auf, Ministerpräsident Markus Söder wird auf einem Maxi-LED-Fernseher auf die Bühne geschoben. „Der Markus Söder in Full HD, der Hubert schaut verpixelt in die Röhre“, sagt Schafroth. „Wie im richtigen Leben.“ Und der TV-Söder lacht sich schlapp.

Später kriegen sie alle ihren eigenen LED-Fernseher – unten im Saal. Und plötzlich hocken sie dann doch irgendwie da, die Söders und Aiwangers, Finanzminister Olaf Scholz (SDP) und CDU-Chef Armin Laschet. Sie einzuladen, war eine nette Idee. Im Grund sitzen sie ja jetzt alle beisammen, die Kanzler-Anwärter. Wenn die Wahlen Bundesjugendspiele wären, sagt Schafroth, dann wär’s für Scholz ein 1000-Meter-Lauf von Anfang an. „Und kurz vor Ziel spring Söder ausm Gebüsch und sagt: Freunde, so anstrengend war’s doch gar nicht.“

Scholz – eine große Wurstplatte vor sich und auch ein bisschen schlumpfig dreinschauend – und Laschet lächeln meist höflich und sehen doch zeitweise recht irritiert aus. Aus den anderen Fernsehern dröhnen immer wieder saftige Lacher. Natürlich geht es viel um Corona und das nicht immer glückliche Agieren der Staatsregierung. Neben Söder, dem „Don Juan de Corona“, zu dem die CSU aufschaut wie „Heidi, wenn der Geissenpeter vorbeischaut“, bekommt vor allem Kultusminister Michael Piazolo sein Fett weg. Beim Zuschalten spendiert ihm Schafroth ein Störbild. Michael, du musst dein Laptop aufklappen“, sagt Schafroth. „Und du musst dann das Hansaplast von der Kamera abziehen.“ Die Anspielung aufs Digital-Desaster sitzt.

Auch die Grünen spart Schafroth nicht aus. Tenor: Alles wird in der Krise gnadenlos runtergefahren und die größte Oppositionspartei macht mit. „Opposition und Regierung verschmelzen bei euch zu einem sozialpädagogischen Kuschelseminar“, sagt er. „Liebe Freunde, wir wollen die alten Turnschuhgesichter wiedersehen.“ Katharina Schulze hält es da kaum ruhig auf ihrem LED-Bildschirm. „Nein, nein, nein“, sagt sie. Aber Schafroth legt nach. der einzige,d er sich Kritik traue, sei der Aiwanger. „Der Hubert ist wie das Ohrenstäbchen, das sich im Saugrohr verkantet.“

Den Sozis Scholz und Dieter Reiter legt Schafroth das Wohnungs-Thema ans Herz, Andreas Scheuer („Der schaut unschuldig wie ein Kälbchen kurz vorm Bolzenschuss“), fordert er zu einer Entschuldigung fürs Maut-Debakel auf. Scheuer schweigt. Dafür kriegt er dann ein sanftes, böses Liedchen vom Chor.

Am Ende dankt Schafroth den Politikern dann doch irgendwie für ihren Corona-Einsatz. Schön war’s.

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