München – Der Historiker und älteste Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt, Peter Brandt, hat der SPD-Spitze in der Diskussion um Wolfgang Thierse „Versagen“ vorgeworfen. Statt mit dem neuen Parteiprogramm beschäftigten sich „Partei-Establishment und Hauptstadtmedien seit gut einer Woche mit den Spaltlinien einer Partei, die ohnehin an politischer Schwindsucht leidet“, schreiben Brandt und der Vorsitzende der Karl-Schiller-Stiftung, Detlef Prinz, in einem Beitrag für die „FAZ“. Thierse hatte an gleicher Stelle mit einem Text zur umstrittenen Identitätspolitik für Diskussionen gesorgt. SPD-Chefin Saskia Esken und Vize Kevin Kühnert zeigten sich wenig später angesichts mancher „rückwärtsgewandter“ Genossen „beschämt“. Brandt schreibt, in normalen Zeiten hätte eine „souveräne Parteiführung“ zur offenen Diskussion geladen, um zu diskutieren, „was eigentlich unser demokratisches Gemeinwesen zusammenhält: nämlich die Bereitschaft durch die Augen des jeweils anderen zu sehen“. Durch ihr Verhalten habe sich die Parteispitze „von einem erheblichen Teil der SPD-Mitglieder distanziert“. Der Partei fehle der „politische Kompass“. mmä