Moskau – Drohungen im Mantel einer historischen Abhandlung: Russlands Präsident Wladimir Putin hat in einem Aufsatz der Ukraine abgesprochen, eine eigene Nation zu sein. Zudem attackiert er in dem auf der Kreml-Seite auch auf Ukrainisch veröffentlichten Text „Über die historische Einheit von Russen und Ukrainern“ den ukrainischen Präsidenten: Wolodymyr Selenskyjs Wahlversprechen, in der umkämpften Ost-Ukraine Frieden zu schaffen, hätten sich als „Lügen“ entpuppt.
Der Kremlchef schlägt einen Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Unter Rückgriff auf die mittelalterliche Rus erklärt er, dass Großrussen, Kleinrussen (also die Ukrainer) und Weißrussen ein einziges Volk bilden. Für die im späten Zarenreich „in der polnischen Elite und Teilen der kleinrussischen Intelligenzija“ aufkommende Idee, die Ukrainer seien ein von den Russen getrenntes Volk, gebe es keine historische Basis.
Zwar gesteht Putin den modernen Ukrainern einen eigenen Staat zu. Aber: Bei der Auflösung der Sowjetunion hätte man die Ukraine wieder reduzieren müssen auf jene Gebiete, mit der die Ukraine dem Imperium einst beigetreten sei. „Geht, aber nehmt nur mit, was ihr mitgebracht habt“, schreibt er.
„Putins Text ist eine Begründung für Gebietsansprüche Russlands gegen die Ukraine“, kommentierte das der Sender „Echo Moskaus“. Der „Spiegel“ zitiert Putins Ex-Berater Gleb Pawlowskij, der in der Ukraine geboren wurde, mit den Worten: „Das Ganze ist ein einziges ‚Wir wollen die Ukraine‘.“
Putin seinerseits wirft der Ukraine vor, vom Westen gesteuert zu sein und „Russenfeindlichkeit“ zur Staatspolitik gemacht zu haben. Die Ostukrainer hätten in Donezk und Luhansk zu den Waffen gegriffen, „um ihre Häuser, ihre Sprache, ihr Leben zu schützen“. Putin betonte aber auch, offen für einen Dialog mit der Ukraine zu sein. Er sei überzeugt, „dass eine echte Souveränität der Ukraine nur in einer Partnerschaft mit Russland möglich ist“. » KOMMENTAR