Ein brandgefährliches Hilfsangebot aus Polen

von Redaktion

Kampfflugzeuge für die Ukraine: Die USA wollen keinesfalls Starts von Ramstein aus

München – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die westlichen Staaten erneut zur Lieferung von Kampfflugzeugen des Typs MiG-29 aufgerufen. „Treffen Sie so schnell wie möglich eine Entscheidung, schicken Sie uns Flugzeuge!“, sagte Selenskyj in einem Video. Ein Vorschlag der polnischen Regierung müsse „sofort bearbeitet“ werden.

Das Außenministerium in Warschau hatte erklärt, es könne seine MiG-Jets „kostenlos und unverzüglich“ zum US-Stützpunkt Ramstein in Deutschland bringen. Der Vorstoß legt nahe, dass die USA die Kampfjets anschließend an die Ukraine liefern könnten. Polen will nicht als Beteiligter im russisch-ukrainischen Krieg erscheinen – die USA jedoch auch nicht. Sie zeigten sich überrascht und lehnten umgehend ab. Die Übergabe der Kampfflugzeuge an die Ukraine könnte von Russland als Eskalation wahrgenommen werden und hätte deswegen ein zu „hohes Risiko“, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby. Dagegen verlegten die USA auf Bitten Warschaus Flugabwehrraketen vom Typ Patriot nach Polen. Es handelt sich um zwei Systeme, die sonst in Deutschland stationiert sind.

Auch in Berlin gibt es große Skepsis. Man müsse „sehr genau überlegen, was wir konkret tun“, sagte Kanzler Olaf Scholz. „Dazu gehören ganz sicherlich keine Kampfflugzeuge.“ Verteidigungsministerin Christine Lambrecht betonte, es sei „ganz wichtig, dass die Nato abgestimmt miteinander vorgeht“. Daraus folgere: „Dieser Vorstoß wird von niemandem in der Nato weiterverfolgt.“

Die MiG-29-Modelle sind attraktiv für die Ukraine, denn ihre Luftwaffe ist damit vertraut. Sie verfügt nach Informationen des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) ausschließlich über alte sowjetische Jagdflugzeuge von diesem Typ und Suchoi-27 zur Luftverteidigung und zur Unterstützung eigener Kräfte am Boden sowie über Kampfflugzeuge vom Typ Suchoi-25.

Laut IISS besitzen nur wenige Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes sowjetische Kampfflugzeuge vom Typ MiG-29. Neben Polen (28 Stück) sind dies die Slowakei (14) und Bulgarien (11). Polen hatte die Maschinen vor rund 20 Jahren zum symbolischen Preis von einem Euro von Deutschland bekommen.

Das Problem ist schon, die Maschinen in die Ukraine zu liefern. Ein französischer Kampfpilot, der anonym bleiben wollte, sagte: „Um ein Flugzeug zu liefern, muss man es in das Land fliegen, das könnte als Beteiligung am Konflikt interpretiert werden.“ Ein Transport auf dem Landweg sei logistisch sehr aufwendig, zumal viele Brücken zerstört seien. Wichtig ist auch der Zustand der Militärflughäfen und die ukrainische Fähigkeit, die Maschinen zu warten. Gegen mehrere Flughäfen gab es bereits russische Angriffe. DAPHNE BENOIT

Artikel 5 von 11